Archiv für April 2011

Apr 2011 27

Neue Wälder braucht das Land


Der beliebte sog. Wald-Wild-Konflikt ist nicht nur unter Jägern, Waldbesitzern und Naturschützern inzwischen ein Dauerthema geworden. Leider wird es zunehmend von Leuten beherrscht, die zu sachlicher und ausgewogener Diskussion nicht fähig sind – oder sagen wir mal so: die das langweilig finden und stattdessen, leider mit Recht, davon ausgehen, dass man mit Polemik, Leerformeln und markigem Auf-die-Pauke-Gehaue mehr Publicity erzeugen kann.

Mit anderen Worten: ein schönes Feld für Selbstdarsteller, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

Klar ist, dass es Konflikte gibt zwischen Wald und Wild, oder richtiger: zwischen Waldbauern und Wildbewirtschaftern. Aber die sind normal und mit Intelligenz, Fachwissen (das unbekannte Wesen) und zielgerichteter Toleranz leicht zu lösen. Sie sind nämlich nicht nur örtlich begrenzt, sondern sie sind Ausdruck der Tatsache, dass sich verschiedene Nachhaltswirtschaften, hier eben Wald und Tierwelt, notwendigerweise überschneiden. In den Überlappungsflächen treten Zielkonflikte auf, und die werden unter anderem mit den Mitteln des Rechts gelöst, in unserem Falle mit der Feinabstimmung zwischen Waldgesetzen, Jagdgesetzen, aber auch Naturschutz-, Tierschutz- und Umweltbestimmungen.

Ein ganz grosser Schreier unter den selbsternannten Experten ist der Ökologische Jagdverband ÖJV mit seiner kampferprobten Bundesvorsitzenden Elisabeth Emmert. Dort schwingt man mit publizistischer Penetranz das sog. „Gutachten“ vom 5. Mai 2010 des BfN, der DFWR und der ANW – wir haben das Ding in unserem Blog-Beitrag am 19. Mai 2010 unwidersprochen als „wissenschaftlich verbrämte Polemik“ abqualifiziert, wobei „pseudo-wissenschaftlich“ noch richtiger gewesen wäre.

Na gut – die Karawane zieht weiter.

Aber jetzt hat sich GEO, genauer: dort ein Herr Lieckfeld und eine Frau Trippel, des deutschen Waldes angenommen und unter dem hier vorangestellten Titel im Heft 05/Mai2011 immerhin 16 Seiten gefüllt, darin auch etliche zugegebenermassen gute Fotos. Also haben wir die € 6,30 aufgewendet und das Heft gekauft. Denn wir halten grosse Stücke auf GEO, die eine hervorragende Zeitschrift ist, und haben uns gesagt: „Schön, dass die sich jetzt des Themas annehmen, die sind wenigstens präzise und seriös“.

Und was müssen wir feststellen?

GEO hat´s vergeigt!

Nach gutem Beginn und etlichem durchaus Richtigem finden wir eine gegen Ende immer stärkere Tendenz zu ökojagdlicher Denke, die Herrn Lieckfeld offensichtlich so eingenommen hat, dass er dann auch noch ein schwaches Interview mit Frau Emmert in´s Netz gestellt hat. Damit wir uns nicht missverstehen: der ökologische Jagdverband hat viele gute Denkansätze, Ideen und Vorschläge, aber er krankt eben leider, wie Veganer und Nichtraucher und andere derartige Gruppierungen, an ideologisch intolerantem Eiferertum, rechthaberisch, aufdringlich und humorlos – eine grässliche Mischung!

Deshalb meint GEO denn auch, einen okologisch vernünftigen Waldumbau, den wir alle, auch die sog. traditionellen Jäger, wünschen, bekomme man am besten durch eine Graf von Hatzfeldt´mässige Bejagung, sprich: Drückjagd auf alles, was sich bewegt! Auch wird das Reh in GEO wieder mal „Bambi“ geheissen, was ein amerikanischer Weisswedelhirsch ist. Es wird allen Ernstes behauptet, in den Wald- und Jagdgesetzen vieler Bundesländer stehe der Grundsatz „Wald vor Wild“ jedenfalls „dem Sinne nach“ drin.

Dann lesen wir lang und breit über die trophäengeilen Jäger, die Wild züchten, und an den „überhöhten Schalenwildbeständen“ schuld sind, die gebetsmühlenartig durch die Diskussion wabern – über die stillen aber beachtlichen Erfolge der modernen deutschen Forstwirtschaft und die vielerorts hervorragenden Beziehungen zwischen Forst und Jagd, also „Wald und Wild“, lesen wir dagegen rein garnix.

Ist ja auch langweilig.

Da fällt eine Sottise kaum noch auf wie die auf S. 98 : „…in den allermeisten Fällen jagt ein Jagdpächter, der Spass daran hat und sich die Pacht leisten kann. Wieviel Wild er zur Strecke bringen muss, empfiehlt die Jagdgenossenschaft.“

Wie ich schon sagte: GEO hat´s vergeigt!

Leider

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

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