Archiv für November 2013

Nov 2013 27

Koalitionsvertrag – erst mal schöne Worte!


merkelseehofergabriel

Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD, der heute von der CDU in´s Netz gestellt wurde, enthält eine überwältigende Fülle schöner Prosa. Über vieles hat man sich geeinigt, wenn auch überwiegend mit Vorbehalten, Fragezeichen, Bedingungen und Einschränkungen. Vieles, dessen Bearbeitung man sich gewünscht hätte, ist unter den Tisch gefallen.

 Ein schönes Beispiel dafür ist das Kapitel „Landwirtschaft und ländlicher Raum“. Liest sich euphorisch, klingt prima – Probleme werden nicht benannt! Kein Wort über die Zerstörung ländlicher Räume und der Tierwelt durch Energiepflanzenanbau, kein Wort zum Bienensterben, nichts über die Zulassung von bedenklichen Pflanzenschutzmitteln, und auch „Landgrabbing“ kommt nicht vor.

 Wir werden ja sehen, was wirklich geschieht. Unsere Meinung: Nix, oder jedenfalls nicht viel!

 Lesen Sie selbst:

Auszug aus dem Koalitionsvertrag:

Landwirtschaft und ländlicher Raum

Wir würdigen die Leistungen der Land- und Ernährungswirtschaft in Deutschland für
die Sicherung einer gesunden Ernährung und den Erhalt vielfältiger Kulturlandschaften. Unser Ziel ist eine multifunktional ausgerichtete, bäuerlich unternehmerische Landwirtschaft, die ressourcen- und umweltschonend produziert, die Tierwohl, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit miteinander verbindet. Leitbild ist eine von Familien betriebene, regional verankerte, flächendeckende Landwirtschaft unterschiedlicher Strukturen und Produktionsweisen. Sie trägt zur Wertschöpfung, gut bezahlter Arbeit und sicheren Einkommen in den ländlichen Räumen bei.

Umsetzung der Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und Entwicklung ländlicher Räume.

Mit der nationalen Umsetzung der Gemeinsamen Agrarpolitik werden wir besonders
die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung ländlicher Räume fördern.
Die Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz wird zu einer „Gemein-
schaftsaufgabe ländliche Entwicklung“ weiterentwickelt. Die Fördermöglichkeiten des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums
(ELER) sollen umfassend genutzt werden. Für eine integrierte Entwicklung ländlicher Räume ist es notwendig, Ressortzuständigkeiten besser zu koordinieren. Innerhalb der Bundesregierung wird ein Schwerpunkt für ländliche Räume, Demografie und Daseinsvorsorge gebildet.

Wertschöpfung und Innovation 

Wir wollen die Agrarforschung besser verzahnen und in den Bereichen Tierwohl,
nachhaltige Pflanzenschutzverfahren, Eiweißstrategie und klimaschonende Land-
wirtschaft stärken. Die Arbeit der Deutschen Agrarforschungsallianz (DAFA) wird un
terstützt und verstetigt. Das Themenspektrum der Fachagentur für Nachwachsende Zusammenhalt der Gesellschaft Rohstoffe (FNR) wird um den Bereich Nachhaltigkeit erweitert. Wir werden europäische Forschungsförderungsprogramme in Deutschland zielgerichteter koordinieren. Das Bundesprogramm „Ökolandbau und andere nachhaltige Formen der Landwirtschaft“ wird verstetigt.

Die deutschen Milcherzeuger leisten einen wichtigen Beitrag zur Wertschöpfung in
ländlichen Räumen und zum Erhalt der Kulturlandschaft. Wir setzen den Kurs der
Marktausrichtung in der Milchwirtschaft fort. Wir setzen weiterhin auf ein wirksames
und verlässliches Sicherheitsnetz der EU.

Die bestehenden Potenziale zur Energieeinsparung im Gartenbau sollen stärker ge-
nutzt werden.

Der deutsche Weinbau hat eine wichtige Rolle für die Erhaltung einer typischen Kul-
turlandschaft. Wir unterstützen die deutschen Winzer bei ihrer Ausrichtung auf erfolgreiche Qualitätserzeugnisse.

Wir werden die Umsetzung der Waldstrategie 2020 vorantreiben und dabei verstärkt
auf die Schutzziele der Biodiversitätsstrategie setzen. Der Klein- und Kleinstprivat-
wald wird mit geeigneten Mitteln in die Entwicklung einbezogen. Länderspezifische
Konzepte zur Zielerreichung bleiben unberührt. Der Waldklimafonds wird angemes-
sen finanziell ausgestattet.

Im Rahmen der Neuordnung des europäischen Saatgutrechts treten wir dafür ein,
dass die Saatgutvielfalt garantiert wird, die Interessen des nicht kommerziellen Be-
reichs gewahrt werden und der Zugang zu alten und regionalen Sorten nicht be-
schränkt wird. Wir setzen uns dafür ein, dass es im Rahmen des Nachbaus keine
weiteren Einschränkungen für Landwirte und mittelständische Pflanzenzüchter gibt.

Wir wollen die traditionelle, arbeitsintensive Küstenfischerei unterstützen sowie die
Binnenfischerei und die Aquakultur stärken. Die Reform der Gemeinsamen Fische-
reipolitik wird im Sinne der Ressourcenschonung und des Erhalts der Wettbewerbs-
fähigkeit der Fischerei umgesetzt. Besonderen Wert legt die Koalition auf den Schutz der Meeresböden und Bestände sowie die Weiterentwicklung der Fangtechnik und Fangmethoden mit dem Ziel der Beifangminderung. Die Koalition wird sich weiterhin für ein konsequentes Verbot des Walfangs sowie ein Handelsverbot mit Walfleisch einsetzen.

Die Vermarktung regionaler Produkte wird ausgebaut. Das bundesweit einheitliche
„Regionalfenster“ zur Kennzeichnung regionaler Produkte wird evaluiert. Auf dieser
Grundlage werden gegebenenfalls verbindliche Kriterien festgelegt. Um die behördli
che Überprüfung der agrarwirtschaftlichen Exporte hinsichtlich Einhaltung der inter-
nationalen Standards sowie spezieller Anforderungen einzelner Drittstaaten zu ver-
bessern, wird dem Bund eine koordinierende Funktion zugewiesen. Die Exportkom-
petenz des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucher-
schutz wird gestärkt.

Beim Abschluss bi- und multilateraler Handelsabkommen ist die verbindliche Einhal
tung der hohen europäischen Standards in den Bereichen Verbraucher-, Tier- und
Umweltschutz von zentraler Bedeutung.

Ihr Dr. Wolfgang Lipps:   Ratlos

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Nov 2013 21

CO2-Emissionen – ist die Kuh schuld?


Kuhherde                             Oder: ein Hoch auf die bäuerliche Weidekuh!

WarschauViel Lärm um Nichts

In Warschau verhandeln zur Zeit bis zum 22. November 2013 mehr als 9000 Delegierte aus 200 Ländern über ein globales Klimaschutzabkommen, das vor allem dazu dienen soll – und dringend muß – das Kyoto-Protokoll, nach dem alle Staaten der Erde ihren Kohlendioxidausstoß verringern sollen, durch ein wirksameres Abkommen zu ersetzen. Bislang aber sind die Diskussionen um die Reduzierung des CO2-Aufkommens gescheitert und alle Teilnehmer gehen davon aus, dass die Konferenz ausgeht wie das Hornberger Schießen. Dieser schöne Ausdruck bezeichnet bekanntlich ein Ereignis, um das zunächst ein großes Getöse gemacht wird, das dann aber nichts bringt und ergebnislos endet.

Peinliches Versagen

Das ist nicht nur peinlich, sondern katastrophal. Denn es gibt inzwischen niemanden mehr, der leugnet, dass steigender CO2-Ausstoß eine extrem klimafeindliche und höchst besorgniserregende Entwicklung auf unserer Erde darstellt. Zwar ist dieses Treibhausgas ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und der Luft, der Fauna und Flora auf der Welt (und extraterrestrisch) und trotz immer wieder schwankender Menge völlig normal. Es wird in einer Unzahl von Produkten und für eine Vielzahl von Prozessen verwendet.

In höherer Konzentration aber, die wir Menschen weltweit nach Kräften und immer schneller herbeiführen, wird es allerdings lebensfeindlich, und der sog. Treibhauseffekt zunehmender CO2-Emissionen führt zu einer künstlichen globalen Erwärmung, deren bedrohliche Folgen sich kaum in ihrer ganzen wachsenden Tragweite darstellen und begreifen lassen. Deshalb muß es das Bestreben aller zivilisierten Staaten sein, diese Auswirkungen des menschlichen Wirkens auf unseren Planeten vernünftig in den Griff zu bekommen.

Andere Bösewichter

Was dabei gern vergessen wird und aus dem Focus gerät, ist die Tatsache, dass es neben der Industrie (vor allem z. B. Zementherstellung, Kohlekraftwerken u.a.m.) andere, mindestens genau so negative Entwicklungen des Wirkens von Menschen auf Natur und Umwelt gibt. Dazu gehört in erster Linie Methan, ebenfalls ein Treibhausgas mit einer 20 bis 30 mal stärkeren Wirkung als CO2, wobei es allerdings in der Atmosphäre in geringerer Menge vorkommt als dieses. Das Treibhauspotential eines Kg Methan ist ca. 25 mal höher als das von einem Kg CO2.

Und nun: die Kuh!

Damit sind wir endlich bei – zum Beispiel – unserem Wiener Schnitzel und all den anderen Vorzügen unserer beliebtesten Haustierrasse, der Kuh (genauer: dem Rind). Das soll nun, wenn man den wesentlichen Umweltverschmutzern und Umweltzerstörern aus Industrie und Verkehr usw. glauben darf, der richtige Bösewicht sein.

Furzt unsere Umwelt kaputt!

Leider, Freunde, ist da was dran. In Warschau wird darüber allerdings so gut wie nicht geredet.

Die Landwirtschaft produziert weltweit rund 18% der Treibhausgase, mit der Tierhaltung zusammen erzeugt sie von der gesamten menschengemachten Produktion ca 9% CO2, 35% Methan und ca. 65% Stickoxyde. Dabei sind natürlich auch die Hühner (389 Mio Tonnen CO2-Äuivalente), Schweine (668 Mio t), aber eben auch Kühe. In Deutschland verströmen sie in der Fleischproduktion 486, in der Milchproduktion 1131 und mit der Fleischrindermast 2338 t CO2-Äquivalente. Darunter jede Menge Methan.

Aber:

Die Hochleistungskuh, zusammen mit intensiver Stallhaltung, tut sich da als Klimakiller hervor. Allerdings hat sie für sich gesehen eine gute Klimabilanz, weil sie eben z. B. bei viel Methan (was man halbieren kann) viel mehr Milch liefert. Jedoch hat die auf der Weide vor sich hinmümmelnde Standardkuh, die zwar statt 10.000 l Milch im Jahr nur ca. 5000 bis 6000 l gibt, aber dabei statt 400 g Methan am Tag nur 80 g in die Luft furzt, eine noch bessere Klimabilanz. Außerdem setzt die Herstellung des Kraftfutters für die Hochleistungskuh Kohlendioxide, Stickoxide und Ammoniak frei, und es wird massig Wasser und Öl verbraucht. Zudem lebt so eine Hochleistungskuh nur ca. 5 Jahre, sodass nach 2 bis 3 Jahren für sie ein junges Rind herangezüchtet wird, das aber erst mit 28 Monaten ein Kalb kriegt.

Fazit: Nicht die kurzlebige Hochleistungskuh, sondern die lang lebende Weidekuh ist der Favorit unter den Rindviechern – davon, dass die gesünder alt wird, ganz zu schweigen.  Weidekühe leben gesünder, sind auch bessere Mütter und sparen Futterkosten. Außerdem betreiben sie notwendige Landschaftspflege. Und letztlich verhindern sie in gewissem Maße die Zunahme von Ackerland, die nämlich selbst wieder klimaschädlich ist – von „Landgrabbing“ reden wir erst garnicht.

Und was lehrt uns das?

Wir brauchen weniger Hochleistungsrinder und daneben dann auch weniger Weiderinder als bisher, aber mit mehr eigenem Futter auf der Weide und in der Landwirtschaft. Oder auf den Punkt gebracht: ein Vieh haltender Betrieb sollte nur soviel Tiere halten, wie er mit hofeigenen oder hofnahen Futtermitteln ernähren kann. Das täte nicht nur dem Klima gut, sondern würde die Milchpreise und die Preise der Milchprodukte und des Rindfleischs stabilisieren, damit den Bauern helfen und unsere Welt verbessern.

Vielleicht könnten sie in Warschau ja doch mal darüber reden.

Ihr:

Plüschkuh

Dr. Wolfgang Lipps

– Geschäftsführer –

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