Archiv für September 2017

Sep 2017 21

Wildbret – „mehr Bio geht nicht !“


Ziemlich wenig Menschen um uns Jäger herum wissen, was heimisches Wildbret für ein wertvolles Gut ist. Schon volkswirtschaftlich trägt es mit ca. 190 Mio € (Jagdjahr 2015/16) zum Umsatz bei. Außerdem ist es, auch heute noch und im Vergleich mit wirklich ökologisch/biologischer Landwirtschaft, ein qualitativ hochwertiges und gesundes Lebensmittel, besser als der größte Teil des Fleisches, das wir aus konventioneller Tierhaltung auf den Teller kriegen!

Lesen Sie dazu gleich mal in diesem Blog in der Rubrik „Jagen, Feiern und gut essen – Wildbret und mehr“ die Rubrik „Wildbret – dies und das“. „Wild kann man mit gutem Gewissen essen“, sagt Moritz von Bismarck von der Online-Wildhandelsgesellschaft 2vB GmbH & Co. KG (website wild auf wild), und es handle sich um bestes Bio-Fleisch. Deshalb hat der Deutsche Jagdverband in diesem Jahr die Kampagne „Wild auf Wild“ gestartet.

Deshalb verwenden wir Jäger seit einiger Zeit den

Slogan: „Wildbret – mehr Bio geht nicht“.

Outfox World berichtet am 12.09.2017 dazu: „…der Satz „Mehr Bio geht nicht“  (verdeutlicht) für viele Jäger die Quintessenz ihres Wirkens. Nicht etwa Spaß am Töten, mutwilliges Herumballern macht den Reiz der Jagd aus. Sie ist vielmehr gelebtes, uraltes Handwerk. Die nachhaltige Erzeugung von küchenfertigem Fleisch, Wildbret, ist die Königsdisziplin.

Um sogleich fortzufahren:

Jetzt äußert sich die Verbraucherzentrale: Wildbret könne nicht „Bio“ sein.

Der Autor Felix Gerth sagt dazu: „Völlig zu Recht begründet die Verbraucherzentrale ihre Aussage mit der EU-Öko-Verordnung. Demnach gelten Erzeugnisse aus der Jagd von wildlebenden Tieren nicht als „Bio“ oder „Öko“. Eine Verwendung dieser Labels für Wildbret sei also nicht zulässig. Allenfalls „Wild“-Tiere aus Gehegehaltung könnten, sofern die nötigen Auflagen an Haltung und Futter erfüllt sind, als „Bio“ vermarktet werden.“

Frage: Hat die Verbraucherzentrale Recht?

Zunächst mal scheint das jeder zu glauben. Sogar der kritische Kommentator Cuxland hält das für richtig und schlägt vor, den Slogan zu ersetzen durch „Besser als Bio“ – was leider nach der EU-Verordnung auch verboten wäre.

Wir aber geben zur

Antwort: Nee – hat sie nicht!

Rechtlich ist das nämlich keineswegs so klar, wie die Verbraucherzentrale meint, wir halten das sogar für falsch. Wie jedes Verbotsgesetz muss auch die Öko-Verordnung der EU („Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates vom 28. Juni 2007 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen“) eng ausgelegt werden, und sagt keineswegs das, was die Verbraucherzentrale meint.

Für die Jagd gilt zunächst  Art. 1 Abs. 2: „Erzeugnisse der Jagd … wildlebender Tiere gelten nicht als aus ökologischer/biologischer  Produktion stammend.“ Das bedeutet, dass die Verordnung auf Wildbret garnicht anwendbar ist, weil es sich nicht um ein Produkt handelt, das in dieser Verordnung geregelt ist. So fängt´s schon mal an!

Und dann bestimmt Art. 23 Ziff. 2: Die Bezeichnungen, z. B. „Bio“ aus Abs. 1, dürfen nicht verwendet werden, „außer wenn sie … eindeutig keinen Bezug zur ökologischen/biologischen Produktion haben“.

Und genau das ist bei Wildbret der Fall – es hat eindeutig keinen Bezug zu der in der VO geregelten Produktion. Zwar ist es, so auch Art. 23 und das allgemeine Recht, ebenfalls verboten, den Verbraucher zu täuschen. Aber der Slogan „Mehr Bio geht nicht“ täuscht niemanden dahingehend, Wildbret könnte ein Produkt der Tierhaltung nach Maßgabe der EG-Öko-Verordnung sein.

Wie schreibt Cuxland bei den Outfox-Kommentaren so schön:

„Letztlich erfüllt doch Wild all die Anforderungen, die sich der Verbraucher von Bio-Fleisch erhofft. Genügend Auslauf, keine tierquälerische Tierhaltung, ausschließlich frisches vitaminreiches Futter, keine industriell gefertigten Futtermittel, freie Futterauswahl durch die Tiere, keine vorbeugenden Impfungen und Medikamentengaben, gesundes Fleisch durch langsames Wachstum. Danke liebe Verbraucherzentrale. Endlich stellt mal jemand klar dass die EU-Verordnungen das Maß aller Dinge sind. Es ist dem Verbraucher wirklich nicht zuzumuten Fleisch von natürlich aufgewachsenen Tieren zu verzehren, wenn das Ganze dann auch noch als „Mehr Bio geht nicht“ vermarktet wird, abscheulich.“

Merke:

Man darf nicht alles glauben, was einem staatliche und halbstaatliche Organisationen oder sogenannte Experten so vorsetzen. Selber Denken macht schlau.

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

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Sep 2017 18

Volk in Waffen – das Multitool!


Bei irgend einem Pazifisten oder Waffengegner oder einer Amtsperson oder so jemandem muss der Eindruck entstanden sein, dass die Polizei zu wenig zu tun hat. Da ist, wie man weiß, Waffenkontrolle, vor allem eine verdachtslose, immer eine schöne Beschäftigung. Und wer sucht, der findet auch.

Nach § 42a Abs. 1 Ziff. 3 WaffG ist es verboten, „Messer mit einhändig feststellbarer Klinge (Einhandmesser)“ zu führen. Wer, ohne dass die Ausnahmevorschriften zutreffen, dagegen verstößt, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit Geldbuße bis zu  € 10.000 bestraft werden kann. Teures Messer. Vorbestraft ist man aber damit nicht, wenigstens ein kleiner Trost.

Das Multitool

Knife-Blog.com teilt uns jetzt richtig mit: „Die Schonzeit für Multitools ist in Deutschland definitiv zu Ende.“ Viele dieser praktischen Alleshelfer von Gerber oder Leatherman oder zahlreichen anderen Herstellern lassen sich nämlich mit einer Hand öffnen und feststellen (viele, z. B. meine, allerdings auch nicht). Die fallen jetzt unter das Gesetz. Knife.Blog: „In den letzten Monaten wurde Knife-Blog von zahlreichen Lesern informiert, dass Multifunktionswerkzeuge durch die Polizei sichergestellt und ihre Besitzer angezeigt wurden. Was vor rund einem Jahr mit Einzelfällen begann, scheint sich zu einem Flächenbrand zu entwickeln“.

Das ist geltende Rechtslage!

Deshalb sollte man derartige Multitools nur noch führen, also z. B. am Gürtel oder in der Hosentasche tragen, wenn mindestens eine der gesetzlichen Ausnahmen vorliegt, die § 42a WaffG selbst enthält.

Das Verbot gilt nämlich nach Abs. 2 der Vorschrift nicht:

1.         für die Verwendung bei Foto-, Film- oder Fernsehaufnahmen oder Theateraufführungen,

2.         für den Transport in einem verschlossenen Behältnis (was nicht die schöne Lederhülle mit Druckknopf meint, sondern tatsächlich ein festes verschlossenes Kästchen oder etwas in der Art),

3.         für das Führen der Gegenstände nach Absatz 1 Nr. 2 und 3, sofern ein berechtigtes Interesse vorliegt.

Abs. 3: „Ein berechtigtes Interesse nach Absatz 2 Satz 1 Nr. 3 liegt insbesondere vor, wenn das Führen der Gegenstände im Zusammenhang mit der Berufsausübung erfolgt, der Brauchtumspflege, dem Sport oder einem allgemein anerkannten Zweck dient.“

Guter Rat:

Tragen Sie das Ding nicht mehr am Gürtel herum, sondern schließen es ins Handschuhfach oder sonstwie ein. Wenn Sie kontrolliert werden, bitten Sie den Herrn Wachtmeister erst mal, er solle Ihnen zeigen, wie man das mit einer Hand öffnet und arretiert – oft ist das nämlich nicht möglich. Dann sind Sie fein raus.

Aber jetzt hats außer den Jägern und den Pfadfindern auch die Heimwerker erwischt. Das Leben ist gefährlich, und wer keine Sorgen hat, der macht sich welche.

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

 

 

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Sep 2017 12

LJV Brandenburg – der neue Stil, mit Mitgliedern umzugehen?


Im Anschluss an unseren vorigen Blogbeitrag habe ich jetzt leider an unseren Verbandspräsidenten den folgenden Brief richten müssen:

 

Sehr geehrter Herr Wellershoff,

in unserem Jagdrechtsblog vom 1. Juni 2017 „Jagdrecht contra Weidgerechtigkeit – ein Dilemma?“ habe ich zwei Probleme angesprochen. Zum einen ist der brandenburgische Verzicht auf einen Abschußplan für Rehwild gem. § 29 LJagdG Bbg erkennbar ein grober Verstoß gegen § 21 Abs. 2 BJagdG. Zum anderen ist die Freigabe von Bachen zum Abschuß als nicht führend, sowie ihre Frischlinge die Streifen verloren haben, nach meinem Dafürhalten von wildbiologischen Erkenntnissen nicht gedeckt, ein Verstoß gegen die Grundsätze der deutschen Weidgerechtigkeit, und darüberhinaus wegen der Förderung schwacher bis kümmernder Frischlinge das Dümmste, das man angesichts der näher kommenden afrikanischen Schweinepest tun kann.

Der von Ihnen geführte LJadgV Brandenburg hat beide Regelungen ausdrücklich befürwortet.

Deshalb habe ich in meiner mail an Sie am 02.06. Ihnen diesen link zu www.jagdrechtsblog.de mit der Bitte um Stellungnahme übersandt. Sie haben es nicht für nötig befunden, darauf zu antworten.

Sodann habe ich Sie am 11.06. gefragt: „Gedenkt der LJV, das auch Verbandsklagebefugte Organ der Jägerschaft und unser aller Vertretung, hier etwas zu unternehmen, politisch oder rechtlich? Wenn ja, würde mich interessieren, was. Wenn nein, bitte ich mir zu begründen, warum nicht.“ Auch hier haben Sie mich einer Antwort erkennbar nicht für wert gehalten.

Am 27.06 habe ich dann an Sie geschrieben, dass ich wohl davon ausgehen muss, „dass der Vorstand des LJV den Verzicht auf einen Abschussplan für Rehwild im LJagdG Bbg für rechtmäßig hält, ohne dies allerdings rechtlich begründen zu können oder (da Sie meine mails einer Antwort nicht für wert erachten) zu wollen.“ Auch dies hat Sie nicht zu einer Stellungnahme veranlasst.

Ich schließe daraus, dass Sie entweder unerzogen und unhöflich sind – was meinem bisherigen persönlichen Eindruck von Ihnen allerdings deutlich widerspricht! – oder dass Sie keine vernünftigen Gegenargumente haben; im letzteren Falle müssen Sie das mir gegenüber natürlich nicht zugeben, aber dann sollten Sie etwas zur Bewahrung des Jagdrechts und der Weidgerechtigkeit unternehmen.

Oder?

Gruß und Weidmannsheil,

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

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Antwort von Dr. Wellershoff:

Am 15.09., nach ganzen 3 (!) Tagen und diesmal also richtig hurtig, hat Dr. Wellershoff auf meine mail wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr Lipps,

 mir liegt es fern, unhöflich Ihnen gegenüber zu sein. Die Fülle der Aufgaben im Landesjagdverband führt manchmal leider zu späten Reaktionen.

 Momentan treibt uns eher die rasant ansteigende Wolfspopulation und die neue DVO um. Abschuss- und Bestandsplanungen beim Rehwild in Verbindung mit hohen Wolfsbeständen erscheinen mir zunehmend sinnlos.

In der neuen DVO wünschen wir uns allerdings weiterhin Planungsinstrumente zur Rehwildbejagung. Ob diese Wünsche gehört werden, ist allerdings fraglich. Die verantwortungsbewussten Brandenburger Jäger werden weiterhin sorgsam mit „Ihren“ Rehen umgehen.

 Der Landesjagdverband sieht keinen Anlass die gestrichene Abschussplanung Rehwild juristisch anzugreifen.

 Beste Grüße und Weidmannsheil

 Dr. Dirk-Henner Wellershoff

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Kommentar dazu von uns:

 Das ist, wenngleich schön prompt („geht doch!“), eine höchst unbefriedigende Antwort – um es mal nett auszudrücken. Sie verlangt nach einer Stellungnahme. Hier ist sie:

  1. Dreieinhalb Monate lang so überarbeitet, dass man einem persönlich bekannten Verbandsmitglied auf 3 mails nicht antworten kann? Hm, na ja, ok, lassen wir mal so stehen.
  2. Die „rasant steigende Wolfspopulation“ macht einem Landesjagdverband so viel Arbeit? Was, um alles in der Welt, machen denn dessen Mitarbeiter genau auf diesem Feld?
  • Der Anstieg der Population bewegt sich genau in dem Rahmen, den wir (Vortrag Dr. Lipps vor den brandenburgischen Jagdaufsehern: „Rotkäppchens Oma lässt grüßen…“) seit einem Jahr voraussagen, wegen der Verluste an Jungwölfen eher etwas langsamer.
  • Dagegen kann man solange nichts wirklich Wirksames tun, als die Europäische Schutzgesetzgebung einerseits und das deutsche Wolfsschutzrecht andererseits nicht drastisch novelliert werden. Darum bemüht sich aber z. Zt. niemand, und der LJV Bbg am wenigsten – was kein Vorwurf ist, denn der kann da nichts bewirken! Was also macht da so viel Arbeit?
  • Höchst unbefriedigend gering und bürokratisch ist die Entschädigung von betroffenen Nutztierhaltern, aber das ist Sache des Landesgesetzgebers und nicht des LJV; der kann höchstens mal auf den Putz hauen – macht nicht viel Arbeit und bewirkt im Zweifel auch nix. Und ob er´s tut ist nicht bekannt.
  • Wolfsmanagementpläne verdienen den Namen nicht und sind höchst unzulänglich. Sie gehören auch nicht in die Zuständigkeit des LJV.

Tatsächlich sind wir Jäger gut beraten, uns aus der Wolfsnummer tunlichst rauszuhalten – wer diese schönen interessanten und in unserer Kulturlandschaft etwas unnötigen (um auch das mal nett zu sagen) Tiere gerufen hat, soll doch erst mal mit dem Problem allein fertig werden, oder?

  1. Wir kennen die „neue DVO“, die dem LJV offensichtlich viel Arbeit macht, noch nicht – wär ja schön, wenn wenigstens wir Jagdrechtler oder besser noch, wenn das Verbandsvolk mal im Vorfeld davon was hören würde. Auch dafür ist der Vorstand unseres LJV da! Oder?

Ein, mit Verlaub, Armutszeugnis aber ist, den „wahrscheinlich vergeblichen (?)“ „Wunsch“ nach „Planungsinstrumenten für Rehwild“ – was immer das sein mag – zu hegen.

Dem LJV Bbg scheint nämlich die Rechtslage nicht klar zu sein!

  • 21 BJagdG (Auszug): „Schalenwild … dürfen nur auf Grund und im Rahmen eines Abschussplanes erlegt werden, der von der zuständigen Behörde im Einvernehmen mit dem Jagdbeirat (§ 37) zu bestätigen oder festzusetzen ist. Das Nähere bestimmt die Landesgesetzgebung. Der Abschussplan für Schalenwild muss erfüllt werden.“
  • Das ist ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt. Die Länder können die näheren Umstände regeln, aber sie können selbstverständlich das Verbot eines Bundesgesetzes nicht einfach ausser Kraft setzen, indem sie – § 29 LJagdG –schlicht ihre Pflichten nach dem übergeordneten Ermächtigungs-Rahmengesetz „unter den Tisch fallen“ lassen!
  • Rechtslage in BBg deshalb: Der Abschuss von Rehwild ist bundesgesetzlich schlicht verboten!
  • Da ist es völlig wurscht, dass verantwortliche Jäger selbstverständlich auch verantwortungsvoll mit ihrem Rehwild umgehen würden, weil sie mit dem nämlich garnicht umgehen dürfen.

Aber Sie, Herr Präsident Wellershoff, meinen ja, man müsse die Rehwildbewirtschaftung freundlicherweise der „wachsenden Wolfspopulation“ überlassen – weswegen Sie „juristisch“ (wie denn sonst) nichts zu tun beabsichtigen.

Freundliche Frage: Wozu ist der Verband dann da?

Dass Sie zur „nichtführenden Bache“ bei „streifenfreien Frischlingen“ nichts mehr sagen, passt dann ganz gut ins Bild.

Fazit:

Ich bin, liebe Jagdfreunde, einigermassen entsetzt. Dass Jagdrecht, Jagdethik und Weidgerechtigkeit zunehmend an Wert und Bedeutung verlieren, tut jedem aufrechten Weidmann (jeder Weidfrau – immer schön politisch korrekt) schon weh.

Dass aber ein LJagdV da munter vorweg marschiert, hätten wir bislang nicht für möglich gehalten.

 

Aber wie lautet das schöne englische Sprichwort: „Things always look darkest — before they go completely black“!

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

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