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Mrz 2019 28

Eine neue Geldquelle für NABU und Co.?


Die großen Naturschutzorganisationen geben viel Geld aus, nehmen dafür aber auch viel Geld ein. So hat NABU im Jahre 2017 – neuere Zahlen findet man noch nicht – 44,5 Millionen € eingenommen, aber rund 46,2 Millionen € ausgegeben. Der Fehlbetrag wurde aus angesammeltem Vermögen gedeckt. Richtig transparent sind die Zahlen im Internet nicht.

Wolfspatenschaften

Eine interessante Geldquelle des NABU sind u. a. die sogenannten Patenschaften, und dabei insbesondere die Wolfspatenschaften. Bekanntlich ist für die Einwanderung des Wolfes in Deutschland ja eine Willkommenskultur gestartet worden, nach der sich jeder Kriegsflüchtling alle Finger geleckt hätte. Als noch wenige Wölfe in Deutschland waren, und bevor die ersten Welpen das Licht bei uns erblickt haben, gab es bereits dreimal so viel aktive Wolfsfreunde wie Wölfe. Dass die allerlei Unsinn veranstalteten, wie Wolfswanderungen und Ähnliches, finden die Naturschutzverbände nicht nur gut, sondern unterstützen das aktiv.

Warum sind sie hier so eifrig?

Weil der Wolf inzwischen zu einer wunderbaren Einnahmequelle geworden ist. Insbesondere die kostenpflichtigen Wolfspatenschaften sind eine gute Methode, ohne jede Gegenleistung bei weitgehend von fachlichem Wissen unbeleckten netten Menschen monatliche Einnahmen zu erzielen. Mit mindestens 8 €, aber auch 15 €, 30 € oder mehr im Monat kann man beim NABU Wolfspate werden.

Was bringt das denen?

Dem Wolfspaten bringt das, mit Verlaub, garnix! Die rund 300 Wolfspaten, die es gegenwärtig mindestens geben soll, dürfen nämlich alles Mögliche tun, aber kriegen nichts dafür. So dürfen sie zum Beispiel

  • Sachlich über den Wolf informieren, natürlich aber  auf Basis des NABU-Positionspapiers
  • Mit Unterstützung von NABU-Experten Vorträge halten oder zusammen mit NABU- oder NAJU-Gruppen Aktionstage veranstalten
  • Sich an Aktionen im Internet beteiligen (zum Beispiel „Willkommen Wolf“ bei Facebook)
  • Weitere Unterstützer für den Wolf finden
  • Wolfshinweise (Fährten, Kot, Risse) verlässlich an die in der Region arbeitenden Experten zeitnah weiterleiten

Schön, nicht? Und so befriedigend.

Dabei dürfte Punkt 4, die Suche neuer Unterstützer – die hoffentlich dann auch wieder was bezahlen – dem NABU am liebsten sein. Aus den Zahlen, die NABU veröffentlicht, kann man nicht entnehmen, wie viel Geld diese Patenschaften bringen, und man kann vor allem nicht sehen, wofür dieses Geld eigentlich verwendet wird.

Die Geister die man rief…

Die Euphorie um den Wolf geht ja langsam aber sicher zurück, weil der Wolf sich zum einen schneller als erwartet in Deutschland ausbreitet und zum anderen, was er zu erwarten war, erhebliche Probleme schafft. So schön und erfreulich dieses Tier an sich ist – in einer dicht besiedelten Kulturlandschaft ohne deutschlandweites erstklassiges Monitoring und insbesondere ohne vernünftiges Wolfsmanagement ist der Wolf einfach fehl am Platze!

Deshalb rudern Politik und Naturschutzverbände schon deutlich zurück. Das könnte sich natürlich auch auf die Einnahmen von NABU und Co. auswirken.

Jetzt aber: der Goldschakal.

Da trifft es sicher gut, dass sich gerade ein naher Verwandter des Wolfs anschickt, Deutschland ebenfalls flächendeckend zu besiedeln: der Goldschakal.

Neben dem Wolf ist der Goldschakal der einzige Vertreter der Gattung Canis, der auf dem europäischen Kontinent lebt, z. B. auf dem Balkan, im Norden Griechenlands, in Albanien, Rumänien, Bulgarien sowie in Serbien, Slowenien, Bosnien, Herzegowina und Kroatien.

Und nun kommt der auch nach Deutschland. 2012 tappte ein Goldschakal im Bayerischen Wald in eine Fotofalle. 2017 wurde auf der A9 nahe Freising in Oberbayern ein Goldschakal überfahren. Und nach aktuellen Hochrechnungen der Large Carnivore Initiative for Europe (LCIE) leben mittlerweile bis zu 117.000 Goldschakale in Europa. Zum Vergleich: Der Bestand der Wölfe wird auf 17.000 Tiere geschätzt.

Das wär doch mal was – Schakalpatenschaften! Von Euro 8 monatlich an aufwärts.

Das könnte man auch schön bewerben. Der Goldschakal ist nämlich trotz seiner engen Verwandtschaft viel netter als der Wolf. Er greift fast niemals Haustiere an und nimmt dem Jäger in aller Regel auch keine Rehe weg. So ein lieber Beutegreifer müsste doch das Herz des NABU Freundes richtig erwärmen und seine Brieftasche öffnen.

Warum also hören wir vom NABU noch nichts?

Das könnte an einem sehr dummen Umstand liegen: der größte Feind des Goldschakals ist nämlich der Wolf. Wo Wölfe heimisch sind, verkrümelt sich der Goldschakal sofort. Deshalb wär‘s ja ganz besonders blöd, wenn vielleicht auch noch ein Wolfspate eine Schakalpatenschaft erwerben und mit seinem einen Patenkind das andere Patenkind vertreiben oder fressen lassen würde.

Daran wirds dann wohl liegen, dass der NABU hier eine eigentlich sehr schöne Geldquelle offensichtlich noch links liegen lässt. Denn dem NABU geht es natürlich – wir wollen ihm nichts Böses nachsagen – in erster Linie um die lieben Tierchen, aber dann natürlich in noch ersterer Linie um seine Einnahmen.

Pecunia non olet.

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

 

 

 

 

 

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Mrz 2019 07

LJV Brandenburg – Klartext gegen „Wald vor Wild“


Graue Jäger, grüne Jäger

Die Jagd- und Forstpolitik in Brandenburg gleich nach der Wende war vorbildlich – wir bekamen eines der besten Landesjagdgesetze, und zwischen Förstern und Jägern bestand ein fachlich gutes Vertrauensverhältnis.

Aus einer Reihe von Gründen, an denen die Forstpartie keineswegs unschuldig ist, hat sich das allmählich geändert – weniger auf der persönlichen jagdlichen Ebene, aber deutlich im politischen Bereich.

Unsere Vertretung, der LJV, hat das lange, zu lange, hingenommen. Mehr noch: in Konfliktsituationen, wie z. B. dem Rotwildmassaker 2003 im Choriner Forst, hat sich der LJV hurtig „vom Acker gemacht“. Auch das hat leider die Entwicklung, wie wir sie heute sehen, befördert, anstatt sie positiv zu beeinflussen.

Wald VOR Wild!

Nach der Wende hieß das Motto des „Brandenburger Weges“: Wald UND Wild. Sehr bald verwies die Forstpartie auf das Jagdgesetz und die „vorrangigen Interessen der Land- und Forstwirtschaft“ (BJagdG § 21 Abs. 1, aber ergänzend LJagdG Bbg § 1 Abs. 2 Ziff. 4, 5 und 7). Damit sollte ein Primat der Forstwirtschaft belegt werden, den es so allerdings nicht gibt!

Der offene Brief

Das alte Motto ist heute in sein Gegenteil verkehrt, und die Forstverwaltung hat das letzhin noch zementiert. Aber glücklicher Weise haben wir heute einen Vorstand des LJV, der sich eben nicht mehr „vom Acker macht“, sondern der endlich aufgewacht ist und Stellung bezieht.

Der Präsident des LJV, Dr. Wellershoff, hat am 05.03.2019 auf der website des LJV einen offenen Brief eingestellt, der u. a. Folgendes sagt:

„…seit wenigen Monaten ist die Oberste Jagdbehörde der Obersten Forstbehörde im Referat 34 zugeordnet.

Der jagdliche Schwerpunkt im Land liegt nunmehr ausschließlich auf der Reduzierung von Schalenwild, Wald vor Wild soll im ganzen Land konsequent umgesetzt werden. Unserem Rot-, Dam-, Reh- und Muffelwild stehen schwere Zeiten bevor. Hegegemeinschaften sollen zu Abschussgemeinschaften verkümmern oder werden durch Gruppenabschüsse mit Mindestabschuss in möglichst allen Altersklassen ersetzt.

Es geht in Brandenburg um unser Wild und um unseren Wald. Der Landeswald ist die Heimat unserer Wildtiere und nicht nur Wirtschaftsunternehmen.
Wir Brandenburger Jäger im Landesjagdverband fühlen uns für das Brandenburger Wild verantwortlich. Wir sind Naturschützer, die sich unserer Kulturlandschaft und unseren Wildtieren verpflichtet haben! Wir fordern deshalb von unserer Landesregierung und von unserem Ministerpräsidenten bei Veränderungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen:

– Stärkung aller ehrenamtlichen Strukturen der Brandenburger Jagd.

…Die Verteilung der Jagdabgabe muss im Einvernehmen mit der gesetzlichen Vertretung der Brandenburger Jäger erfolgen.

Der Wolf muss in das Landesjagdgesetz überführt werden.  Aktives Wolfsmanagement muss jetzt umgesetzt werden.

Die gesetzliche Vertretung der Jäger in Brandenburg ist der Landesjagdverband Brandenburg e.V.!

Es ist Zeit zu handeln! …“

Dieser Brief war mehr als notwendig und verdient die laute und aktive Unterstützung aller Brandeburger Jäger!

Wir, das Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz, haben allerdings wenig Hoffnung, dass dieser Brief tatsächlich etwas ändert. Für die deutsche Verwaltung gilt immer die Erkenntnis: der Hund bellt, aber die Karawane zieht weiter!

Ihr besorgter

Dr. Wolfgang Lipps

 

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Feb 2019 06

Häuptling Vogelsänger und seine „Organisation Werwolf“


„In Brandenburg gibt es jetzt staatliche Wolfsjäger, die im Falle eines Falles Tiere entnehmen dürfen“. Das berichtet Mathias Hausding in der Märkischen Oderzeitung vom 13.12.18, der Bauernbund freut sich – vorschnell und ohne Grund -, die Jägerschaft mault, und der Chronist lacht sich tot!

„Staatssekretärin Carolin Schilde hat jüngst im Agrarausschuss des Landtags darüber berichtet, dass eine private Firma den entsprechenden Zuschlag erhalten habe. Grundlage ist die Brandenburger Wolfsverordnung (s. dazu unseren Blogbeitrag vom 26.12.17). Sie regelt, dass verhaltensauffällige Tiere verscheucht, vergrämt und sogar getötet werden dürfen, wenn sie sich gegenüber Menschen aggressiv verhalten oder wiederholt gut geschützte Nutztiere angreifen.

Welche Firma den Zuschlag erhielt, möchte das zuständige Landesamt für Umwelt (LfU) auf Nachfrage nicht sagen. Man sei zur Wahrung der Anonymität verpflichtet.“

Was schleicht dort im nächtlichen Walde so einsam wildernd umher?
Er hält in seiner Rechten, so krampfhaft und fest sein Gewehr ? (Altes Jägerlied)

Na wer wohl? Es kann ja außer einem ganz gewöhnlichen Wilderer nur einer der „Werwölfe“ von Minister Vogelsänger, dem Häuptling der „wirklichen geheimen Wolfsjäger“, sein.

Wann und wo kann man den gegebenenfalls antreffen?

Nach § 7 der brandenburgischen Wolfsverordnung (BbgWolfsV) bestimmt nämlich die Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege, wer nach unsäglichen bürokratischen Mühen und allerlei kaum durchführbarem Unsinn für geeignet gehalten wird, eine Tötung eines Problemwolfs durchzuführen. Der muss in jedem Fall erst einmal im Besitz eines gültigen Jagdscheins oder „einer anderen waffenrechtlichen Erlaubnis“ (?) sein – die Behörde könnte also auch irgendeinen Streifenpolizisten oder einen Wachschutzangestellten auswählen und in den Wald schicken. Vorzugsweise sollte die Behörde sich an den zuständigen Jagdausübungsberechtigten wenden, und in Einzelfällen den jedenfalls sofort vorher oder dann eben gleich danach unterrichten.

Wie die MOZ ebenfalls berichtet (s.o.), hat Häuptling Vogelsänger bereits eine Firma ausgeguckt, welche diese Killertruppe zur Verfügung stellen soll. Die soll, damit sie nicht einem Shitstorm zum Opfer fällt, geheim bleiben. Aber im Haushalt sind schon mal € 50.000 Honorar bereitgestellt!

Wie muss man sich die Durchführung dieses Blödsinns vorstellen?

Nachdem sich verschiedene Behörden in allerlei wunderlichen Verfahrensgängen  dazu durchgerungen haben, nach Anhörung vieler anderer Leute einen ganz bestimmten Wolf erlegen zu lassen – den sie im Zweifel nie so beschreiben können, dass ein anderer den wiedererkennt – bitten sie vielleicht, aber nicht notwendiger Weise, erst einmal den zuständigen Jagdausübungsberechtigten, diesen Wolf zu erlegen.

Im Zweifel lehnt der das ab.

(Schlauer wär‘s allerdings, er würde zusagen und danach nie wieder aktiv werden). Aber im Ablehnungsfalle informiert die Naturschutzbehörde die geheime Firma und die schickt ihren 007-Undercover-Wolfsagenten los. Der schleicht dann also möglicherweise in ihrem Revier „so einsam umher und hält in seiner Rechten“ – schon zum Selbstschutz – „krampfhaft und fest sein Gewehr“.

Einen Wolf wird er nicht sehen, vor allem nicht den bösen Wolf, den er erlegen soll. Wahrscheinlicher ist, dass er Ihnen vor die Büchse läuft, wie Sie da gerade mit Thermosflasche und Schmalzstulle in freudiger Erwartung von Beute auf ihrem gemütlichen Hochsitz herumlümmeln.

Was machen Sie dann?

Na ganz einfach: Sie baumen ab, weisen sich als Revierinhaber aus, und fordern den Finsterling auf, sich zu legitimieren (Jedermann-Festnahmerecht § 127 StPO oder §§ 229  ff. BGB).. Nachdem Sie sich den Namen, die Adresse und die Auftragsfirma notiert haben, die er ja ebenfalls benennen muss und die wahrscheinlich auf einem ihm von der Behörde ausgestellten Legitimationspapier steht, machen sie von ihrem Hausrecht Gebrauch und weisen ihn aus dem Revier (Behörden haben nicht das allgemeine Recht, in die befugte Jagdausübung einzugreifen – interessante Rechtsfrage!).

Wieder zu Hause stellen Sie Namen Adresse und Firma an geeigneter Stelle, zum Beispiel bei Facebook oder Instagram oder auch per Twitter oder durch Meldung an unserer Website ins Internet. Ganz lieb, nur so zur Information!

Was wollen wir wetten?

Der Wolfskiller wird nicht nur bei Ihnen nicht, sondern nirgendwo mehr auf dümmliche behördliche Wolfsjagd gehen wollen.

An Herrn Vogel Sänger: mach´ Du nur einen Plan und sei ein großes Licht und mach dann noch´n zweiten Plan – gehn tun se beide nicht! (Berthold Brecht).

 

 

 

 

 

Ihr immer wieder begeisterter Dr. Wolfgang Lipps

Rechtehinweis: picture alliance / blickwinkel ]

 

 

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Dez 2018 16

80 Schützen – 9 Rehe 1 Wildschwein !


Das ist das Ergebnis einer Drückjagd, die vor wenigen Tagen in einem wildreichen Forstrevier in Brandenburg stattgefunden hat. Und das ist bei Leibe kein Ausreißer. Von vielen Drückjagden der letzten Wochen hören wir immer wieder, dass die Strecke weit hinter den vernünftigen Erwartungen zurückgeblieben ist.

Hat das etwas zu bedeuten, und wenn ja, was?

Dass im Jagdjahr 2018/2019 die Schwarzwildstrecken und Rehwildstrecken mancherorts stark zurückgegangen sind, haben wir bislang auf außerordentliche Einflüsse zurückgeführt, zum Beispiel auf den extrem heißen und trockenen Sommer und die zunehmende Zahl von Wölfen und anderes mehr. Aber geringere Strecken bei Drückjagden machen nachdenklich.

Streckenstatistiken

Belastbare Statistiken liegen uns für ganz Deutschland für das Jagdjahr 2016/2017 vor.  Sie sind 2 Jahre später nicht besonders hilfreich. Denn eine Betrachtung zum Beispiel der Schwarzwildstrecken über 10 Jahre zeigt, dass sie stark schwanken, aber Schwarzwild tendenziell kontinuierlich zugenommen hat. Das Gleiche gilt für Rehwild.

Aber: Verzicht auf Nachhaltigkeit

 Die beiden letzten Jagdjahre haben aber – leider! – wesentliche Änderungen der Jagdstrategien mit sich gebracht, die sich nach unserem Dafürhalten zum einen auf die Jagdethik und zum anderen insbesondere auf die Nachhaltigkeit auswirken. Abschusspläne für Rehwild sind aufgehoben und Rehwild wird deshalb nur noch dort jagdlich korrekt bewirtschaftet, wo der Jagdausübungsberechtigte nachhaltig jagt, also der Hegeverpflichtung der Förderung und Erhaltung eines artenreichen und gesunden Wildbestandes unter Beachtung der vorrangigen Interessen der Landwirtschaft und Forstwirtschaft nachkommt.

Schlimmer ist es beim Schwarzwild. Der Popanz der näherkommenden afrikanischen Schweinepest hat dazu geführt, dass vielerorts sogar die Weidgerechtigkeit auf der Strecke bleibt. Schon zu Saufängen kann man geteilter Meinung sein, wir lehnen sie ab. Das Gleiche gilt, wenn man dazu übergeht, führende Bachen schon dann zu schießen, wenn die Frischlinge ihre Streifen verloren haben, oder wo der Schutz der Muttertiere überhaupt ausgesetzt wird.

Wir haben im vergangenen Jahr in einer Reihe von Fällen beobachtet, dass, aus welchen Gründen auch immer, Schwarzwild und Rehwild nicht mehr bewirtschaftet, sondern außerordentlich stark bejagt wird – Rehwildjagd ist für viele, vor allem Forstleute, schon Schädlingsbekämpfung. Die Jäger in Bayern haben in der Jagdsaison 2017/18 so viele Wildschweine wie noch nie erlegt. Das Landwirtschaftsministerium in München bezifferte die „Rekordstrecke“ auf mehr als 95 000 Tiere; das waren 34 000 Schwarzkittel mehr als im Vorjahreszeitraum. Ähnliches gilt auch für Thüringen. In 2018/2019 dürften diese Strecken nochmals gestiegen sein, und in Brandenburg wurde im vergangenen Jahr mit angeblich knapp 90 000 Schwarzkitteln ein neuer Höchststand erreicht.

Wie also geht es weiter?

Das nächste und vielleicht noch das übernächste Jagdjahr werden uns zeigen, ob wir es mit dem gegenwärtigen Zustand nur zufällig einmal schlecht getroffen haben und natürliche Schwankungen im Wildbestand vorliegen, oder ob immer mehr Jäger landauf landab dazu übergegangen sind, nur noch Beute zu machen und nicht mehr zu hegen.

Hoffentlich nicht!

 

Zum Schluss

Mit den besten Wünschen für ein friedliches Weihnachtsfest und ein vor allem auch jagdlich befriedigendes und erfreuliches Jahr 2019 und mit einem kräftigen Weidmannsheil verabschieden wir uns für dieses Jahr von allen unseren Jagdfreunden, allen anderen Freunden und den Besuchern unserer Website.

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

 

 

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Aug 2018 13

Wolfsmanagement Brandenburg 2018 – neues Gewurstel.


Da sich die Wölfe in Deutschland, und natürlich auch gerade in Brandenburg, munter vermehren und weitere Gebiete besiedeln, wurstelt auch die Politik mit zunehmender Intensität immer weiter. Der bisherige wenig effiziente Wolfs-Managementplan in Brandenburg ist 2017 ausgelaufen. Deshalb legt das zuständige Ministerium für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft nun den Entwurf des neuen Wolfsmanagement Plans 2018 (Stand 08.08.18) vor (Fundstelle s. u.). Er besteht aus einem Prosateil (10 Seiten) und im Wesentlichen aber aus 6 Anlagen (auf 30 Seiten). Liest man sich das Konvolut durch – was wir zumindest jedem Weidetierhalter dringend ans Herz legen –, so stellt man fest, dass man es hier wiederum mit einem bürokratischen Ungetüm voller unbestimmter Rechtsbegriffe zu tun hat.

Insgesamt ist dieses Werk vor allem für die Betroffenen höchst unbefriedigend.

Der Wolf gehört zu Deutschland.

Natürlich wird zunächst behauptet, es gehe darum, den Wolf, der selbstredend “zu Deutschland gehört“, so zu behandeln, dass auch Betroffene, Jäger, Naturschützer und das allgemeine Publikum damit genauso zufrieden sein können wie natürlich der Wolf selbst. Tatsächlich aber ist der Plan ein Ausdruck einigermaßen stark ausgeprägter Hilflosigkeit.

Herdenschutz – schön bürokratisch.

Den potentiellen Betroffenen werden zunächst elaborate, mühselige und teure Herdenschutzmaßnahmen vorgeschrieben, wenn sie für Wolfsrisse entschädigt werden wollen. Diese Vorschriften sind aber keineswegs abschließend, denn sie können insbesondere für Rinder und Pferde immer dann, wenn in der Zukunft tatsächlich ein Wolfsriss auftritt, erweitert und präzisiert werden. Schon die mechanischen Herdenschutzmaßnahmen, insbesondere also Zaunanlagen, sind mit Sicherheit teuer und arbeitsintensiv – und ihre Wirkung ist erfahrungsgemäß äußerst fraglich -, wobei die diesbezüglichen Investitionen nur zum Teil nach beträchtlichem bürokratischen Aufwand und zeitlicher Verzögerung entschädigt werden.

Rechtlich und bürokratisch, aber insbesondere tatsächlich schwierig ist der Einsatz von Herdenschutzhunden. Der größte Teil der Kosten bleibt beim Hundebesitzer hängen, und wir brauchen nicht mehr im Einzelnen auszuführen, welche erheblichen Probleme diese auch für Dritte gefährlichen Hunde aufwerfen. Ihr Einsatz – für den ein Sachkundenachweis gefordert wird – wird sicherlich nur in Ausnahmefällen möglich und praktisch sein.

Entschädigung – mühselig ungewiss und nicht ausreichend.

Auch die Entschädigung für tatsächliche Wolfsrisse ist verwaltungstechnisch kompliziert, von zahlreichen Bedingungen abhängig, höchst ungewiss und deckt vor allem letztlich niemals den gesamten Schaden ab. Der Tierhalter trägt also ein beachtliches Restrisiko und bringt damit ein Sonderopfer, das nach unserem Dafürhalten nicht zu rechtfertigen ist.

Letztlich feiert, wie könnte es in Brandenburg anders sein, die törichte Wolfsverordnung – s. unseren Blogbeitrag vom 26.12.17 Wolfsverordnung Brandenburg – der Unsinn geht weiter – auch in diesem Entwurf wieder fröhliche Urständ.

Fazit:

Solange die FFH-Richtlinie und ihr folgend das Bundesnaturschutzgesetz nicht effektiv so geändert werden, dass ein effektives Wildtiermanagement mit wolfsfreien Gebieten, Obergrenzen und letztlich Bejagungsrichtlinien (wofür der Wolf unseres Erachtens ins Jagdrecht gehört) möglich werden, sind alle Managementpläne, Richtlinien, Hinweise und Verhaltensempfehlungen letztlich nur Gewurstel.

https://mlul.brandenburg.de/media_fast/4055/Wolfsmanagementplan-2018-Entwurf.pdf

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

 

 

 

 

 

 

 

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Mai 2018 11

Bayerischer VGH München – jagdfeindlich oder nur ignorant?


Der VGH München hat sich mit einem Urteil vom 11.12.2017 (Aktenzeichen 19 N 14.1022) (Quelle 1) mal wieder ausführlich über den Grundsatz „Wald vor Wild“ ausgelassen. Wie schon in einem früheren Urteil M 7 K 15.3412 und wie auch das zuständige Ministerium (Quelle 2) ist der Verwaltungsgerichtshof (VGH) der Meinung, dieser Grundsatz sei im Landesjagdgesetz Bayern festgeschrieben. Der Grundsatz „Wald vor Wild“ ist im bayerischen Waldgesetz verankert und wird konsequent exekutiert. Dafür gibt es einen breiten gesellschaftspolitischen Konsens“ – meint auch Landwirtschaftsminister Brunner (Quelle 3). Das liegt ganz auf der Linie des ÖJV Bayern, der der Stadt Fürth seinen „Wald-vor-Wild-Preis“ verliehen hat mit der Würdigung, sie habe „damit den im Bayerischen Waldgesetz festgeschriebenen Grundsatz „Wald-vor-Wild“ vorbildlich umgesetzt“ (Quelle 4).

Steht „Wald vor Wild“ im bayerischen Landesjagdgesetz?

Nee, tuts nicht. Da steht nämlich in schöner Ausführlichkeit, das Landesjagdgesetz solle neben dem Bundesjagdgesetz dazu dienen:

–           einen artenreichen und gesunden Wildbestand in einem ausgewogenen Verhältnis zu seinen natürlichen Lebensgrundlagen zu erhalten,

–           die natürlichen Lebensgrundlagen des Wildes zu sichern und zu verbessern, und

–           Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung durch das Wild möglichst zu vermeiden, insbesondere soll die Bejagung die natürliche Verjüngung der standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen ermöglichen. (Fettdruck von mir)

Mehr sagt das Gesetz nicht!

Das deckt sich ziemlich genau mit dem § 1 BJagdG, der als wesentliche Aufgabe der Jagd und der Hege : „die Erhaltung eines den landschaftlichen und landeskulturellen Verhältnissen angepaßten artenreichen und gesunden Wildbestandes sowie die Pflege und Sicherung seiner Lebensgrundlagen…“ fordert. Die Hege muß dabei „so durchgeführt werden, daß Beeinträchtigungen einer ordnungsgemäßen land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere Wildschäden, möglichst vermieden werden“.

Diese Vorschriften regeln also sehr schön die Konflikte zwischen Forst und Jagd, die entstehen, wenn diese beiden Nachhaltswirtschaften sich überschneiden.

Dumme Schlagwörter

„Wald vor Wild“ ist ein Schlagwort. Schlagwörter sind meist ebenso richtig, wie sie falsch sind. Sie vereinfachen und lassen alle Feinheiten aus. Wikipedia: „Schlagwörter sind Wörter oder kurze Phrasen, die benutzt werden, um bestimmte Sachverhalte prägnant und überzeugend mitzuteilen. Da ihrem Gebrauch eine (unbewusste) Überzeugungsabsicht zugrunde liegt, verknappen oder vereinfachen diese Wörter den beschriebenen Sachverhalt oft auf zweifelhafte Weise zugunsten des Wohlklangs und zu Lasten der vermittelten Information. Sie können auch einen schmähenden oder verhöhnenden Charakter haben“.

„Wald vor Wild“ ist ein dummes Schlagwort. Es bezeichnet eine grobe Verkennung der differenzierten Rechtslage im BJagdG und im bay. LJagdG.

Das verquere Jagdverständnis des VGH München

Und zudem wird dieses Schlagwort vom VGH auch noch dazu verwendet, die Jagd und vor allem den Antragsteller des Verfahrens zu diskreditieren. Der VGH schreibt nämlich in Randziffer 69:

  • „Hauptursache für die Ablehnung des Grundsatzes „Wald vor Wild“ … ist das überkommene repräsentative Jagdinteresse“.

Und dann kommt in Randziff. 70 eine Passage, die wir dem Leser in ihrem wesentlichen Inhalt  nicht vorenthalten wollen (Fettdruck von mir):

  • „Das repräsentative Jagdinteresse hat seinen Ursprung in der feudalen, dem Regenten und dem Adel vorbehaltenen und deshalb mit der Herrschaftsausübung verbundenen Jagd, die die Landbevölkerung in vielfacher Weise geschädigt und belastet hat und deshalb sowohl im Bauernkrieg als auch in der Paulskirchenrevolution eine erhebliche Rolle gespielt hat. …. Nicht nur hier, sondern auch während des Nationalsozialismus (als die Hegepflicht im eigentlichen Sinn und der Abschussplan als Hegeinstrument eingeführt worden sind) und in der früheren DDR, wo jeweils den höheren Parteifunktionären besondere Jagdgelegenheiten reserviert gewesen sind, hat die repräsentative Jagd in erheblichem Umfang ihre Bedeutung als Zeichen einer Beteiligung an der Herrschaft bzw. einer hervorgehobenen gesellschaftlichen Stellung behalten. Trotz einer zunehmenden Beteiligung weiterer Gesellschaftsschichten an der Jagd, verschiedener dem Grundgesetz geschuldeter Rechtskorrekturen … und der Aufnahme der Erkenntnisse über die Funktionsweise und die Bedeutung des Wirkungsgefüges der Natur in das deutsche (a. in Form des Grundsatzes „Wald vor Wild“) Recht… ist dies in gewissem Umfang bis heute der Fall. Das überkommene Jagdinteresse von Personen mit erheblichem Einfluss in Gesellschaft, Politik und Staat behindert immer noch die Umsetzung dieser Korrekturen und Erkenntnisse … Im Zentrum des überkommenen repräsentativen Jagdinteresses stehen nach wie vor die Trophäe und das starke Tier …. Die Wahrscheinlichkeit des Vorkommens eines kapitalen Tieres wie des „Einserhirschs“ steigt mit dem Umfang des jeweiligen Tierbestandes, sodass das überkommene Jagdinteresse regelmäßig zu überhöhten Wildbeständen mit allen Konsequenzen führt….“.

Das ist eine rückwärts gewandte negativ gefärbte und keineswegs unbestrittene Erzählung, die mit der modernen Jagd – wie sie im BJagdG und bay. LJagdG vorbildlich beschrieben ist – und der Mehrzahl der heutigen Jäger beim besten Willen nicht mehr vereinbar ist.

Sie ist nicht zuletzt eine Herabsetzung des Antragstellers dieser Entscheidung, weil sie dessen Antrag und sein Rechtsbegehren negativ abqualifiziert.

Und letztlich ist das alles juristischer Unsinn, denn es gehört der Sache nach nicht in dieses Urteil. Hier hatte das Gericht nur die Frage zu entscheiden: wieviel Schalenwild verträgt der Schutzwald? Diese Frage ist mit den übrigen Teilen des Urteils wahrscheinlich richtig, jedenfalls aber nachvollziehbar beantwortet worden.

Wozu also dieser historisierend herabsetzende Unsinn?

Das erklärt sehr eindrucksvoll ein gewisser Dr. Kornder, der Vorsitzende des ÖJV Bayern. Bei der Verleihung des „Wald-vor-Wild-Preises“ an die Staft Fürth schlug er „einen großen Bogen vom Bauernkrieg über die Anfänge der Forstwirtschaft, mit den Rückschlägen durch die Trophäenjagd bis hin zum Entstehen der modernen „Wald-vor-Wild“-Bewegung, deren Grundsatz schließlich im Bayerischen Waldgesetz  2005 Gesetzesrang erhielt.“ Auf [sic!] diesem Hintergrund sei der „Wald-vor-Wild Preis“ des ÖJV Bayern entstanden.

Soviel zu dummen Schlagwörtern

Zu „Wald vor Wild“ hätten wir als kleine Auswahl noch anzubieten: „Lieber tot als rot“ oder „Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln“ oder „wert zu spät kommt den bestraft das Leben“

oder ein Schlagwort, das ausnahmsweise mal völlig richtig ist und das wir vor allem dem bay. VGH München zum Nachdenken ins Stammbuch schreiben:

„Die Basis ist das Fundament der Grundlage“!

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

Quelle 1: http://www.gesetze-bayern.de/Content/Document/Y-300-Z-BECKRS-B-2017-N-146445

Quelle 2 : https://www.stmelf.bayern.de/wald/waldbesitzer_portal/053421/index.php

Quelle 3 : http://redirect.tremmedia.de/wildwacht/WaldvorWild.html

Quelle 4 : http://www.jawina.de/oejv-bayern-verleiht-wald-vor-wild-preis/

 

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Apr 2018 01

Neuer EU-Wolfsberater: Jörg Vogelsänger


Die Generaldirektion Env der EU-Kommission, zuständig für Umwelt und Naturschutz der EU, hat den Minister für ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg,

Herrn Jörg Vogelsänger,

zum offiziellen EU-Wolfsberater ernannt.

Dieses Ehrenamt verdankt er seinem unermüdlichen publizistischen und vor allem politischen Wirken für die Förderung wachsender Wolfspopulationen – sein Land Brandenburg nimmt hier eine hervorragende Stellung ein.

Die EU-Kommission hat überzeugt – so die offizielle Begründung im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft – dass der Ernannte mit einer lustigen Wolfsverordnung in listiger Weise bei Wolfsgegnern den Eindruck erwecken konnte, er wolle die Wolfspopulation regulieren, während seine Verordnung tatsächlich dafür höchst unbrauchbar ist (s. dazu www.jagdrechtsblog.de vom 26.12.17: „Wolfsverordnung Brandenburg – der Unsinn geht weiter.“).

Damit beruhigt er nämlich die lautesten Gegner des Wolfs wie den Bauernverband und die Skeptiker wie die Jägerschaft, leistet aber mehr oder minder heimlich der weiteren Verbreitung des Wolfs Vorschub.

Kurzum: ein Mann nach dem Herzen von NABU, Bund und Co – und jetzt eben auch der EU-Kommission.

JUN.i Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz gratuliert!

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

 

 

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Feb 2018 13

ASP und der Popanz „Jagddruck“


In unserem Blogbeitrag “ ASP – geschäftige Ratlosigkeit“ vom 30. November 2017 haben wir darauf hingewiesen, dass die seit Jahren näher kommende ASP seit kurzer Zeit eine hektische Betriebsamkeit insbesondere bei den Bauernverbänden und in der Politik ausgelöst hat. Diese Betriebsamkeit beruht zu einem großen Teil darauf, dass wesentliche Fakten über die ASP offenkundig nicht bekannt sind oder vernachlässigt werden.

Jäger müssen viel mehr Wildschweine schießen!

Das ist im Wesentlichen das Ergebnis dieser hektischen Betriebsamkeit und, wie wir es deshalb genannt haben, geschäftigen Ratlosigkeit. Wenig bis gar nichts aber hören wir darüber, welche Maßnahmen sonst noch ergriffen werden müssten, um in erster Linie den Seuchenbefall von Hausschweinen zu verhindern. Viehtransporte und Fleischimporte insbesondere aus östlichen (schon infizierten) Ländern gehen ohne jede Kontrolle munter weiter, Wurstbrote fliegen auf Rastplätzen aus dem Fenster oder quellen aus dem Mülleimer, kontaminierte Fahrzeuge durchqueren ganz Europa usw. usf. Tatsächlich ist der schlimmste Verbreiter der ASP nämlich überhaupt nicht das Wildschwein (und natürlich erst recht nicht der Wolf), sondern der dumme und unkontrollierte Mensch!

ASP Virus ist extrem lebensfähig, aber wandert langsam!

Das ASPV hält sich wochenlang im Kadaver und übersteht den Verwesungsprozess. Leider aber kann es auch in anderer Umgebung sehr lange leben, so zum Beispiel 399 Tage in Parmaschinken, 140 Tage in Serrano-Schinken, 18 Monate in Blut bei 4 °C und immer noch 11 Tage im Kot bei 20 °C. Andererseits wandert es deshalb sehr langsam, weil nicht alle Tiere mit Infektionskontakt auch erkranken. Die Ansteckungsgefahr ist entgegen der landläufigen Meinung nämlich einigermaßen niedrig, ASP ist also abweichend von der Lehrmeinung keine hochkontagiöse Seuche.

Der sog. „Kontagiositätsindex“ (Ansteckungsfähigkeit – KI) beschreibt jenen Anteil einer nicht.immunen Population, bei dem es nach Kontakt mit einem Erreger zur Infektion kommt. Er wird in Prozent gemessen – wenn also 30 von 100 exponierten Tieren infiziert werden, so beträgt der Kontagiositätsindex 0,3.

Das ist, mit Verlaub, beruhigend – vor allem dann, wenn man weiß, dass dieser Index bei der ASP zwischen 0,8 und 1,2, also im Mittel bei 1 liegt, während zum Beispiel derselbe Index für Masern bei 0,98, für Keuchhusten bei 0,9, für Typhus bei 0,5 und für Diphtherie bei 0,1 liegt.

Die Infektion ist eingrenzbar.

Ein infiziertes Tier hat nur eine Überlebenschance von 5 % und verendet innerhalb von maximal 2 Wochen. Schwer kranke Tiere – und insbesondere Kadaver – bewegen sich nicht. Um sich anzustecken, müssen gesunde Tiere einen direkten Kontakt zu einem schwer kranken Tier oder zu einem Kadaver haben; es gibt keine Tröpfcheninfektion. Fazit: in der Wildschweinpopulation breitet sich die Seuche nur sehr langsam aus. Die ASP bleibt also lokal begrenzt und hat eine geringe Ausbreitungstendenz.

Nun gibt es insbesondere aus Lettland und Litauen interessante Untersuchungsergebnisse und insbesondere Beobachtungsergebnisse zum Kontaktverhalten nichtinfizierter Wildschweine gegenüber einem Kadaver. Eines dieser Untersuchungszyklen zeigt: innerhalb von 3,5 Monaten hatten 40 Wildschweine Kontakt mit einem infizierten Kadaver und es kam, wie der Ansteckungsindex auch zeigt, zu genau 4 Infektionen.

Was lernen wir daraus?

Zunächst einmal gibt es so gut wie keine Früherkennung am lebenden Wildschwein. In den ersten Tagen der Infektion ist die ASP beim lebenden Wildschwein durch den Jäger nicht zu sehen. Dann aber verendet das Schwein nach wenigen Tagen. Wenn es also darum geht, infizierte Schweine zu erlegen, dann ist das „vergebliche Liebesmüh“. Denn es ist allemal leichter, ein tot gefundenes Wildschwein zu finden und zu beproben als 45 Wildschweine zu erlegen und zu beproben. Deshalb sieht zum Beispiel das litauische Modell vor, dass bei Totfunden die infizierten Tiere sofort beseitigt werden, das Infektionsgebiet eng umgrenzt wird und gleichzeitig dort die Jagd für 30 Tage ruht.

Insgesamt gilt also:

Die Wildschweindichte sollte zwar in der Tat so gut es geht reduziert werden, aber man muss sich eben dessen bewusst sein, dass wegen der nicht zu vermeidenden Kadaver eine Dichtereduktion natürlich nicht zum Verschwinden der ASP führt, sondern nur einen wenn auch geringen Beitrag zur Verlangsamung der Infektion innerhalb der Wildschweinpopulation leisten kann. Deshalb ist eine intensive Bejagung des Schwarzwildes nur eine, und nicht einmal bedeutende oder die wichtigste, Komponente beim Schutz gegen die ASP. Wichtiger sind gezielte seuchenpolitische Maßnahmen bei den Haltern von Hausschweinen und vor allem strikte Einfuhrkontrollen, dabei vorbeugender Seuchenschutz, die sorgfältige Beseitigung von tot aufgefundenen infizierten Wildschweinen, die sofortige Eingrenzung dieser Fundstellen und dort eben gerade keine Bejagung.

Dummerhafte Vorschläge (freihändige Taschenlampe) oder dummerhafte Forderungen (70% aller Wildschweine erlegen) helfen da nicht weiter. I

„In der Ruhe liegt die Kraft.“

<Quelle: Depner  „Die afrikanische Schweinepest: Eine Habitatseuche mit niedriger Kontagiosität“. Friedrich-Löffler-Institut, 12.08.2016>

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

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Dez 2017 26

Wolfsverordnung Brandenburg – der Unsinn geht weiter!


 

Am 21. Dezember 2017 hat der brandenburgische Umweltminister Jörg Vogelsänger als Teil des Wolfsmanagementplanes die „Brandenburger Wolfsverordnung“ (BbgWolfV) unterzeichnet, die Anfang Januar 2018 in Kraft treten wird. Darin wird beschrieben, wann wer wie mit wessen Mitwirkung „Problemwölfe“ vergrämen, betäuben oder schießen darf und was es dafür alles für Voraussetzungen gibt und Umstände zu bedenken sind.

Minister Vogelsänger ist ganz stolz auf dieses Elaborat und meint, die anderen Bundesländer warteten schon darauf. Wenn das stimmt, werden sie es nach der Lektüre wegschmeissen.

Wir vom Instititut für Jagd Umwelt und Naturschutz haben die VO sorgfältig gelesen und halten sie, mit Verlaub und nett ausgedrückt, für ziemlich unbrauchbar!

„Der Dativ ist dem Genitiv sein Feind“.

Zuerst nehmen wir mal zu Gunsten des Herrn Ministers an, dass er das, was er da unterschrieben hat, nicht gelesen hat. Denn das Machwerk enthält ziemlich viele grammatikalische und mindestens einen Kommafehler, und an einigen Stellen falsches bzw. unzureichendes Deutsch. Das ist zwar peinlich, aber angesichts dessen, dass diese Verordnung ohnehin nix taugt, nicht so schlimm!

Unklare Regelungsinhalte

Es würde zu weit führen, diese elaborate und labernde Verordnung im Rahmen eines Blogbeitrags umfassend darzustellen. Sie verwendet ungebräuchliche Begriffe wie „aus der Natur entnehmen“, was nicht „Töten“ meint, sondern das nur „auch“. Sie verwendet völlig unbestimmte (Rechts)begriffe wie „auffälliges Verhalten“ oder wiederholte Annäherung an Menschen bis auf „wenige Meter“ – außer wenn das ein Wolfswelpe (?) tut (was eigentlich dann? Streicheln? Mitnehmen? Totschlagen? Behörde melden?) – oder „problematisches Verhalten“ oder „drohende erhebliche  landwirtschaftliche Schäden“ und anderes mehr.

Vor allem aber stehen alle Maßnahmen der Verordnung unter der Voraussetzung, dass zum einen die „Erhaltungsziele des jeweiligen Gebietes“ bezüglich der Wolfspopulation nicht beeinträchtigt werden (§ 6 Ziff 12 der VO, was immer die sein mögen), oder „dass es durch die mit dieser Verordnung zugelassenen Ausnahmen weder zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands der Populationen des Wolfs kommt noch die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustands des Wolfs in der kontinentalen Region Deutschlands behindert wird.

Kontinentale Region Deutschland! Geht´s auch etwas kleiner? Verwirrung komplett.

Organisation

Wie so oft in Deutschland gibt´s auch in dieser Verordnung gleich mal Vorgehensweisen, die sicher dafür sorgen, dass damit kaum ein Wolf aus der Wildbahn genommen wird. So heißt es z. B.

  • 2 Ziff. 2: Maßnahmen nach Absatz 1 sind nur zulässig, wenn das Landesamt für Umwelt als Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege zuvor bestätigt hat, dass ein auffälliges Verhalten vorliegt.
  • 3 Ziff. 4 Satz 2: Ein für den Menschen problematisches Verhalten liegt vor, wenn die Vergrämung eines nach § 2 Absatz 2 Satz 2 auffälligen Wolfes nach Einschätzung der Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege nicht möglich ist oder die Vergrämung erfolglos bleibt.
  • 3 Ziff. 6: Wölfe dürfen in besonderen Fällen auch ohne Vergrämung geschossen werden, wenn die Polizei – noch ´ne Behörde – einverstanden ist.
  • Für Wolfshybriden braucht man das „Monitoring der Fachbehörde für Naturschutz und Landschaftspflege – noch ein weiterer Verwaltungsvorgang -,

und außerdem braucht man gegebenenfalls noch Tierärzte und/oder den Herrn Minister selbst.

Aber der „Problemwolf“ muß halt warten, bis alle Behördengänge erledigt sind, und dann muss die Behörde jemanden bestellt haben, der „im Rahmen der ihm auferlegten zeitlichen (? – nur abends oder wie?) und örtlichen (meist gerade nicht da, wo der Wolf ist, oder?) Regelungen (§ 7 Ziff. 14 Satz 2)“ zum Eingriff in die Wolfspopulation fähig geeignet und willens ist.

Na dann mal viel Spaß!

Fazit:

Man muss diese lange Verordnung mit ihrem elaboraten Anhang über die Vergrämungs- und Verhütungs- und sonstigen Maßnahmen und Vorschriften nur mal gelesen haben, um zu wissen: so wird das nix! Vor allem die Tierhalter, die die ausgeklügelten und etwas merkwürdigen Bestimmungen der Anlage zur Verordnung nicht einhalten können oder wollen (Zaun hoch, aber mit 2 Herdenschutzhunden etwas niedriger – warum das denn? Und was dergleichen Unsinn mehr ist), gucken in die Röhre und stehen schlechter da als jetzt!

Für diese Verordnung gilt mithin der schwäbische Satz:

Hätte mer aach kenne bleibe losse!“.

Ihr

Wolfgang Lipps

 

 

 

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Nov 2017 30

ASP – Geschäftige Ratlosigkeit


Die afrikanische Schweinepest (ASP)

kommt näher (s. unseren Blogbeitrag vom 18.11.2016). „Seit dem ersten Auftreten der ASP in Georgien 2007 hat sich die Seuche sprunghaft in Richtung Westen und Norden nach Estland, Lettland, Litauen und Polen ausgebreitet. Im Juni 2017 wurden die ersten Fälle in Tschechien und ein Fall bei Hausschweinen in Rumänien gemeldetEs ist daher für die Allgemeinheit geboten, alle jagdrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um einem möglichen Eintrag der ASP in die Wildschweinpopulation entgegenzuwirken, da die Dichte der Wildtierpopulation als maßgeblicher Risikofaktor bei der Verbreitung von Seuchen gilt.“

Was tun?

Es ist seit ca. 10 Jahren somit klar, dass hier etwas getan werden muss. Anstatt aber sogleich zu agieren, wird seit eben dieser Zeit – wie könnte es anders sein – vornehmlich geredet und geschrieben und angeregt und vorgeschlagen und diskutiert und und und.

Man kennt das ja.

Erste konkrete Vorschläge beginnen sich jetzt zu materialisieren – richtig vernünftig, um es mal nett zu sagen, ist keiner.

Ministerium Brandenburg

Hier wird immerhin gehandelt. Am 6. November 2017 hat das Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft eine Allgemeinverfügung „zur befristeten Einschränkung von § 26 Absatz 2 des Jagdgesetzes“ des Landes erlassen; seit dem 30.11.2017 bis zum 31.März 2021 dürfen „allgemein gebräuchliche Taschenlampen oder Handscheinwerfer“ bei der Erlegung von Schwarzwild verwendet werden. Nachtzielgeräte und Verbindungen der Lampe mit der Waffe bleiben verboten, der Elternschutz gilt weiterhin (Amtsblatt für Bbg 48/2017 S. 1106).

Nette Geste, zeigt Aktivität – und ist jagdlich und seuchenpolitisch Unsinn!.

Jeder Jäger, der sich über unser Land hinaus mit Jagd beschäftigt hat, weiß: das klappt nicht! Da muss man die Lampe eng an den Lauf halten, mit einer Hand anknipsen, schnell auf einen Frischling richten und abdrücken. Manchmal trifft man, oft nicht. Das macht man bei einer Rotte maximal zwei Mal – dann stiebt die Rotte nach dem ersten Lichtschein auseinander und ward an der Kirrung nicht mehr gesehen. Also: nicht nur unweidmännisch, sondern auch noch ineffektiv!

LJagdV Brandenburg

Dem ist dazu eingefallen, Bachen als nicht mehr führend zu betrachten, wenn die Frischlinge die Streifen verloren haben, also nach etwa 3 Monaten. Das soll wohl heißen, dass man dann straflos die Bache vor den Frischlingen schießen darf (oder etwa zur Verhinderung der ASP sollte?) – jetzt auch noch mit ´ner Taschenlampe.

Das ist – wir haben es in unserem Blogbeitrag vom 01.06.17 bereits besprochen – nicht nur unweidmännisch und wildbiologisch falsch, sondern seuchenpolitisch auch noch besonders blöd: kümmernde Frischlinge sind die ersten, die eine Krankheit kriegen und verbreiten!

Saufänge

Der Amtstierarzt der Stadt Brandenburg plädiert, wie Outfox World am 23.11.17 berichtet, für Saufänge.

Das hört sich erstmal gut an, denn damit kann man gleich mehrere Bachen mitsamt ihren Frischlingen fangen, wenn man es richtig anstellt.

Aber, liebe Weidgenossen, dann können wir gleich im Schlachthof arbeiten. So effektiv das auch sein mag, es ist für jeden Jäger, der sein Wild liebt, eine herzzerreissende Zumutung. Denn dann gehen Sie den Saufang morgens an, die gefangenen Schwarzkittel kriegen Panik, die wütenden und angstgetriebenen Bachen müssen Sie zuerst erschießen, und dann drücken sich die Frischlinge angsterfüllt und mit großen Augen in der Ecke zusammen, und sie müssen da einfach reinhalten, schießen und verwunden und töten, bis alle erlegt sind.

Jäger, die das schon mal gemacht haben, träumen bisweilen heute noch davon! Ich mach´ das nicht, dann lass´ ich der Natur ihren Lauf.

Die Lösung!

Deshalb gibt es für uns nur eins: vertrauenswürdigen Jägern mit Einzelverfügung den Gebrauch von Nachtzielgeräten erlauben, möglichst noch mit Schalldämpfern. Das ist effektiv und schont dennoch das überlebende Wild.

Ihr besorgter

Dr. Wolfgang Lipps

Saufang

 

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