Holzfahrrad – Öko oder Unsinn?

Holzfahhrad BildJedermann weiß nicht nur, sondern es wird immer wieder und aller Orten bewiesen, was man aus Holz alles machen kann. Das ist erfreulich und begrüßenswert, denn Holz ist ein wunderbarer nachwachsender Rohstoff. Seit alters her macht man damit Tische, Stühle, Bänke, Pfeile, Bögen, Lanzen, Zaunpfähle, Hausbalken, Schindeln, Schaukelpferde, Klarinetten, Geigen, Zahnstocher, Alphörner und was dergleichen schöne und nützliche Dinge mehr sind. Viele von denen werden heute noch benutzt, andere wie Putzmühlen, Dreschflegel, Holunderpfeifen, Richtblöcke oder Leiterwagen sind überholt.

Da bleibt es nicht aus, dass auch mancher Gegenstand aus Holz hergestellt wird, der ziemlich unnütz oder, mit Verlaub, unsinnig ist. Aber bis auf das Loriot´sche Portemonnaie als Laubsägearbeit fällt einem da tatsächlich wenig ein.

Diesem Mangel helfen jetzt allerdings zwei Herren ab – der Herr Moritz Sanne (oben im Bild) und der Herr Matthias Broda. Von denen hatte man vorher noch nie gehört, aber die schon oft um allerlei publizierte Sottisen verdiente Märkische Oderzeitung hat das am 4. April 2014 geändert. Mit der schönen Schlagzeile: EBERSWALDE ERFINDET DAS FAHRRAD NEU und der folgenden Mitteilung: An der Hochschule mitentwickeltes Elektromobil ruft auf Messen Furore hervor. Mit der Hochschule ist die HNE (Hochschule für Nachhaltige Entwicklung) in Eberswalde gemeint, und mit Furore bezeichnet man gewöhnlich Gefühlswallungen.

Eine solche haben wir bei der Lektüre dieses Artikels heftig empfunden, nämlich ein starkes Gefühl der Belustigung verbunden mit einem des Ärgers. Ersteres, weil wir das Produkt, mit Verlaub, ziemlich albern finden und letzteres, weil es mit Steuermitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie gefördert wurde.

Aber jetzt endlich mal zur Sache: WORUM GEHT´S EIGENTLICH?

Na, wie das Bild oben zeigt: die beiden Herren, Herr Sanne als Tischler und ehemaliger Student der HNE und Herr Broda als Mitinhaber der Berliner Firma System 180 haben ein Elektro-Fahrrad aus Holz gebastelt.

Schön scheusslich, schön teuer, und nicht mal ökologisch nachhaltig.

EierköpferSoll mal später in Serie so ca. € 4000 kosten, wird also bestimmt ein paar Leutchen finden, die das Spielgeld haben, um sich mit sowas zu zeigen. Wirtschaftlich erfolgreich wird´s wahrscheinlich nie, aber das macht ja auch nix, das Schicksal teilt es dann eben mit dem Schwerkraft-Eier-Köpfer und anderen törichten Gadgets.

Als Beispiel dafür, was man mit Holz alles machen kann, ist es sicher ganz demonstrativ, aber, insbesondere mit unseren Steuergeldern, so überflüssig wie zwei kalte Füße. Da gibt es inzwischen hervorragende andere Produkte: Tragebalken für große Hallen, Bauelemente und neuerdings die großartige BaubucheHolzkonstruktion Sevilla der Firma Pollmeier, die die simple Technik des Holzfahrrads in großem Stile und erheblich hochwertiger in die Praxis umsetzt, und vieles vieles mehr.

Die ökologische Bilanz hingegen ist nach unserer überschlägigen Rechnung absolut zu vernachlässigen – wenn wir mal die Kosten eines Baumes bis zur Holzgewinnung, die Transport- und Verarbeitungskosten, und die aufgewendete Energie für alle diese Schritte zusammenrechnen, dann ist ein schönes Campagnolo-Rennrad auch nicht teurer.

Fazit:

Bastelt ruhig drauflos, Leute, je witziger desto besser – aber  bitte nicht mit meinem Geld!Laufrad

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

Quellen:

Holzfahrrad:http://www.moz.de/lokales/artikel-ansicht/dg/0/1/1266022/

Baubuche: http://www.pollmeier.com/de/baubuche/ingenious-hardwood/

 

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1 Kommentar zu „Holzfahrrad – Öko oder Unsinn?“

  1. Peter Müller sagt:

    Was mich an diesem Holz-Fahrrad stört, ist das hohe Gewicht, das fast doppelt so hoch ist, wie bei üblichen Fahrrädern.
    In diversen Schweizer zeitung wird es nun als „Publi-Reportage“ vorgestellt. Das sind gekaufte Artikel, die besser aussehen als Anzeigen 😉
    Allerdings radelt im Viedeo dieser bezahlten Reportage der Erbauer normal. Von einem Elektro-Antrieb ist nichts zu sehen. Damit kommt er wohl nicht weit, denn der Sattel ist aus Holz – auf einer Stahlrohr-Stütze.
    Auch sonst wird der Vorteil des Buchenholzes nicht benugenutzt, denn nirgendwo ist die Konstruktion aus Torsion ausgelegt. Also eine unsinnige Konstruktion, die für 4000 Euro schnell verwittert….

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