Krähen-Massaker – wer braucht so´n Eigentor?

Das Crowbusting

DER SPIEGEL 4/2012 berichtet auf der ganzen Seite 136 unter dem Titel „Ballerei am Himmel“ über die von „Wild und Hund“ organisierte massenweise Krähenjagd, die unter dem sinnigen Motto stattfand: „80 gegen Huckebein“. Da wird dann durchaus zutreffend, weil man das auch gut in „Wild und Hund“ 90/2011 auf den Seiten 42 f. nachlesen kann, berichtet, wie 80 Figuren, die sich mit so schönen Namen schmücken wie „Waldwilli79“ oder „dernieauslernt“ und die sich – warum deutsch wenn´s auch englisch geht – „Crowbusters“ nennen, generalstabsmässig zur Massenjagd auf Krähen ausrücken und dabei dann eben auch mal kurz geschützte Vögel erlegen; Schwund ist eben immer. Diese unter dem Motto „Tierschutz“ pfiffig gemachte Reportage einer „supergeilen Sache“ wird mit einem Bild der in Nahkampfmontur gekleideten Helden geschmückt, die dann aber merkwürdigerweise ihre Gesichter selbst unkenntlich gemacht haben.

Feindbild Krähe

Nun kann man als weidgerechter Jäger durchaus ein, sagen wir mal, ambivalentes Verhältnis zum Krähenvogel haben – das müssen wir unter uns Fachleuten nicht gross diskutieren. Insbesondere der geschützte Kolkrabe kann für die Viehzucht und die Wildbahn höchst unerträglich werden, und seine sonstigen Artgenossen bis hin zur Elster sind als schlaue und in Massen äusserst lästige Kulturfolger häufig eine rechte Plage.

Krähenjagd – ´ne supergeile Sache

Andererseits handelt es sich, zumindest in manchen Bundesländern, um Wild, das dem Jagdrecht und somit unserer Weidgerechtigkeit unterliegt, und in den übrigen Ländern um Wildtiere, die dem Jagdrecht gerade nicht unterliegen, sondern geschützt sind. Jagd aber ist bei aller Passion eine, mit Verlaub, verantwortungsvolle Betätigung und beruht deshalb auf einer Jagdethik – jedenfalls für viele von uns – die weder mit dem Begriff „Mordsspass“ noch gar der „supergeilen Sache“ angemessen bezeichnet wird; aber den Gebrauch der deutschen Sprache muss natürlich auch jeder mit sich selbst ausmachen.

Die Rechtslage

Ich habe schon darauf hingewiesen, dass einige Krähenarten in einigen Bundesländern, meist in der Zeit vom 01.08. bis 20.02, bejagt werden dürfen (generell BW, präzise Hamburg, Hessen, MV, NRW, RhP und SchlH). Andernorts und zu anderen Zeiten dürfen Rabenvögel nicht getötet werden, ihre Tötung ist insbesondere keine Jagdausübung. Auch partiell erlaubte Vergrämungsabschüsse sind das nicht, sondern nur sog. „erlaubte Tätigkeiten“. Der Jagdschutz greift da auch nicht. Damit sind ausserhalb des Jagdrechts die Naturschutz- Artenschutz- und Vogelschutzbestimmungen zwingend.

Dort, wo die Jagdausübung erlaubt ist, können (und sollten!) Krähen auch tatsächlich bejagt werden, und es ist vor allem nichts gegen eine scharfe Bejagung einzuwenden, obwohl es inzwischen als gesicherte Erkenntnis gelten darf, dass selbst die massenweise Bejagung der Krähenvögel überhaupt keine positiven Veränderungen im Naturhaushalt von Kleinsäugern, Singvögeln oder dergleichen bewirken; die Gründe für die Krähenbejagung sind Alibi-Behauptungen. Dort also, wo sie bejagt werden dürfen, ist es eben Jagd – ebenso nützlich und schön wie Teibjagden auf Hase oder Fasan.

Das öffentliche Erscheinungsbild der Jäger

Leider hat sich das Bild der Jagd und der Jäger im öffentlichen Bewusstsein insbesondere der städtischen Bevölkerung rapide verschlechtert und wir haben grösste Mühe, unser Tun zu rechtfertigen. Die Mühe geben wir uns auch, allen voran der DJV und die Landesjagdverbände, aber z. B. auch mit so schönen Aktionen wie „Lernort Natur“ usw. Da ist es dann besonders hilfreich, wenn sich eine 80 Mann starke Truppe in Nahkampfmontur unter Kampfnamen und mit verhüllten Gesichtern auch noch in der Presse für die Erlegung von 333 Kreaturen an einem Tag, einschliesslich einiger geschützter, für „ ´ne supergeile Sache“ feiern lassen – vor allem dann, wenn sie sich allesamt als „Jäger“ bezeichnen. Damit reisst man dann mit dem Hintern mühelos ein, was man mit den Händen mühsam aufgebaut hat. Schlau, nicht?

Was lehrt uns das?

Diese Krähenjagd mag jeder mit seinem Geschmack und seinem Begriff von Weidgerechtigkeit und Nachhaltigkeit abmachen, und natürlich darf dort, wo es erlaubt ist, auch generalstabsmässig gejagt werden. Aber etwas mehr Augenmass bei der Durchführung und dem öffentlichen Auftreten und bei der anschliessenden publizistischen Verwertung dieser „Gaudi“ wäre wirklich anzuraten.

Nix für ungut, Ihr „WyattEarps“!

Dr. Wolfgang Lipps

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