Legaler Waffenbesitz – immer noch der „Hase Willi“

Sie kennen den Jägerwitz, bei dem alle Jagdgäste ein und demselben Hasen begegnen, dem „Hasen Willi – auf den schiessen wir immer“. Dieser Witz, so blöd er ist, gibt ziemlich genau die intellektuelle Substanz der Leute wieder, die sich seit Jahren „immer wieder“ auf den legalen Waffenbesitz, vorwiegend der Jäger und Sportschützen, „einschiessen“. Vor allem dann, wenn (selten – gottseidank) etwas passiert, zum Beispiel das furchtbare Winnenden, aber letzhin ein 14-jähriger, der in Memmingen mit einer dem Papa geklauten Waffe rumgeballert hat.

Das nimmt dann im SPIEGEL 22/2012 auf S. 16 ein Herr Jürgen Brenneke zum Anlass, mitzuteilen, es sei ein generelles Problem, „dass überhaupt so viele Menschen Waffen und Munition zu Hause haben“. Zudem meint er, in offenbar (?) schöner Unkenntnis unserer Waffengesetzgebung, der Erwerb von Waffen sei in letzter Zeit eher erleichtert und das Waffengesetz liberalisiert worden. Die allgemeine Verwaltungsvorschrift, die wir gerade gekriegt haben, legt seiner Ansicht nach das Waffengesetz „extrem grosszügig“ aus – „zugunsten der Waffenbesitzer, aber zu Lasten der inneren Sicherheit“.

Na ja, der Mann ist 74, hat also vielleicht schon stark zurückgesetzt, wie der Jäger sagt. Wäre als Bürger mit seiner eher schlichten Meinung, die er natürlich haben darf, halt nicht so ganz ernst zu nehmen.

Was allerdings nachdenklich macht, ist die Tatsache, dass dieser Mensch, Ministerialrat a. D. und ehemaliger Reserveoffizier, immerhin bis 2003 Referatsleiter für Waffen- und Sprengstoffrecht im Bundesinnenministerium war und interessanterweise schon immer der Meinung, Waffen gehörten nur in die Hand von Militär, Polizei, allenfalls noch Jägern und eben gefährdeten Personen. Sonst nirgendwohin, vor allem nicht in die Hände von Sportschützen.

Woran man wieder mal sieht: Auch sogenannte Experten sehen oft den Wald vor Bäumen nicht. Denn inzwischen sollte sich auch beim schlichtesten Gemüt langsam herumgesprochen haben, dass natürlich nicht die legalen Schusswaffen das Übel sind, sondern allenfalls die illegalen.

Nur mal zur – gestrafften – Erinnerung:

                   nur ca. 8% aller Tötungsdelikte werden mit Schusswaffen verübt,

                  davon nur 4% mit legalen Waffen, das sind 0,32% aller Tötungsdelikte.

                  davon stets einige von beamteten Waffenträgern,

                  so gut wie kein Fall mit Gewehren, sondern Kurzwaffen.

Oder mal andersrum:

Im Schnitt werden etwa 3 Menschen jährlich Opfer einer Sportwaffe, aber 1146 werden Opfer von Ärzten, 4192 Opfer des Strassenverkehrs und 1042 Opfer anderer Mordinstrumente (lt. einer Statistik von 2009).

Also: Legal besessene Waffen spielen strafrechtlich und vor allem für die „innere Sicherheit“  kaum eine Rolle, ausser gelegentlich mal Dienstwaffen. Auch werden legale Waffen überwiegend bei Selbstmorden und Affekthandlungen gegen den Lebensgefährten etc. eingesetzt, Straftaten, die wahrscheinlich in jedem Falle, wenn auch mit anderen Tatwaffen, verübt worden wären. Zudem spielt bei fast allen Taten mit legalen Waffen der Alkohol die weitaus wichtigere Rolle als die Waffe selbst.

Und letztlich zu dem schlimmen Winnenden: wenn der Vater von Tim K. nur eine einzige Waffe besessen und diese schlampig aufbewahrt hätte, wäre es trotzdem passiert – die 14 anderen Waffen im Tresor haben für diese Tat keine Rolle gespielt; eine Tat übrigens, in der strafbares Verhalten des Vaters zusammentraf mit einer geradezu erschreckenden Gefühllosigkeit gegenüber den inneren Nöten des Täters!

Nix für ungut, Herr Brenneke!

 Dr. Wolfgang Lipps

Rechtsanwalt, Geschäftsführer

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1 Kommentar zu „Legaler Waffenbesitz – immer noch der „Hase Willi““

  1. PatrWink sagt:

    Nun, ich bin zwar kein Waffenbesitzer und lehne den Besitz an sich auch ab. Aber auch mir ist klar, dass man Waffen niemals verbieten können wird. Ich denke, es ist viel wichtiger, die Waffenträger als verantwortungsvolle Menschen wahrzunehmen, die mit ihrer Waffe umzugehen wissen. Und wenn jeder einen Waffensachkundelehrgang besucht, wie etwa hier: http://www.agsm-akademie.de/Waffensachkunde.158.0.html und das Wissen, das er dort erwirbt, dann auch konsequent anwendet, dann sollte sich das Waffenproblem in Grenzen halten. Und beim Blick in die Staaten finde ich eigentlich nicht, dass wir überhaupt ein Waffenproblem haben.

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