LJV Brandenburg – der neue Stil, mit Mitgliedern umzugehen?

Im Anschluss an unseren vorigen Blogbeitrag habe ich jetzt leider an unseren Verbandspräsidenten den folgenden Brief richten müssen:

 

Sehr geehrter Herr Wellershoff,

in unserem Jagdrechtsblog vom 1. Juni 2017 „Jagdrecht contra Weidgerechtigkeit – ein Dilemma?“ habe ich zwei Probleme angesprochen. Zum einen ist der brandenburgische Verzicht auf einen Abschußplan für Rehwild gem. § 29 LJagdG Bbg erkennbar ein grober Verstoß gegen § 21 Abs. 2 BJagdG. Zum anderen ist die Freigabe von Bachen zum Abschuß als nicht führend, sowie ihre Frischlinge die Streifen verloren haben, nach meinem Dafürhalten von wildbiologischen Erkenntnissen nicht gedeckt, ein Verstoß gegen die Grundsätze der deutschen Weidgerechtigkeit, und darüberhinaus wegen der Förderung schwacher bis kümmernder Frischlinge das Dümmste, das man angesichts der näher kommenden afrikanischen Schweinepest tun kann.

Der von Ihnen geführte LJadgV Brandenburg hat beide Regelungen ausdrücklich befürwortet.

Deshalb habe ich in meiner mail an Sie am 02.06. Ihnen diesen link zu www.jagdrechtsblog.de mit der Bitte um Stellungnahme übersandt. Sie haben es nicht für nötig befunden, darauf zu antworten.

Sodann habe ich Sie am 11.06. gefragt: „Gedenkt der LJV, das auch Verbandsklagebefugte Organ der Jägerschaft und unser aller Vertretung, hier etwas zu unternehmen, politisch oder rechtlich? Wenn ja, würde mich interessieren, was. Wenn nein, bitte ich mir zu begründen, warum nicht.“ Auch hier haben Sie mich einer Antwort erkennbar nicht für wert gehalten.

Am 27.06 habe ich dann an Sie geschrieben, dass ich wohl davon ausgehen muss, „dass der Vorstand des LJV den Verzicht auf einen Abschussplan für Rehwild im LJagdG Bbg für rechtmäßig hält, ohne dies allerdings rechtlich begründen zu können oder (da Sie meine mails einer Antwort nicht für wert erachten) zu wollen.“ Auch dies hat Sie nicht zu einer Stellungnahme veranlasst.

Ich schließe daraus, dass Sie entweder unerzogen und unhöflich sind – was meinem bisherigen persönlichen Eindruck von Ihnen allerdings deutlich widerspricht! – oder dass Sie keine vernünftigen Gegenargumente haben; im letzteren Falle müssen Sie das mir gegenüber natürlich nicht zugeben, aber dann sollten Sie etwas zur Bewahrung des Jagdrechts und der Weidgerechtigkeit unternehmen.

Oder?

Gruß und Weidmannsheil,

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

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Antwort von Dr. Wellershoff:

Am 15.09., nach ganzen 3 (!) Tagen und diesmal also richtig hurtig, hat Dr. Wellershoff auf meine mail wie folgt geantwortet:

Sehr geehrter Herr Lipps,

 mir liegt es fern, unhöflich Ihnen gegenüber zu sein. Die Fülle der Aufgaben im Landesjagdverband führt manchmal leider zu späten Reaktionen.

 Momentan treibt uns eher die rasant ansteigende Wolfspopulation und die neue DVO um. Abschuss- und Bestandsplanungen beim Rehwild in Verbindung mit hohen Wolfsbeständen erscheinen mir zunehmend sinnlos.

In der neuen DVO wünschen wir uns allerdings weiterhin Planungsinstrumente zur Rehwildbejagung. Ob diese Wünsche gehört werden, ist allerdings fraglich. Die verantwortungsbewussten Brandenburger Jäger werden weiterhin sorgsam mit „Ihren“ Rehen umgehen.

 Der Landesjagdverband sieht keinen Anlass die gestrichene Abschussplanung Rehwild juristisch anzugreifen.

 Beste Grüße und Weidmannsheil

 Dr. Dirk-Henner Wellershoff

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Kommentar dazu von uns:

 Das ist, wenngleich schön prompt („geht doch!“), eine höchst unbefriedigende Antwort – um es mal nett auszudrücken. Sie verlangt nach einer Stellungnahme. Hier ist sie:

  1. Dreieinhalb Monate lang so überarbeitet, dass man einem persönlich bekannten Verbandsmitglied auf 3 mails nicht antworten kann? Hm, na ja, ok, lassen wir mal so stehen.
  2. Die „rasant steigende Wolfspopulation“ macht einem Landesjagdverband so viel Arbeit? Was, um alles in der Welt, machen denn dessen Mitarbeiter genau auf diesem Feld?
  • Der Anstieg der Population bewegt sich genau in dem Rahmen, den wir (Vortrag Dr. Lipps vor den brandenburgischen Jagdaufsehern: „Rotkäppchens Oma lässt grüßen…“) seit einem Jahr voraussagen, wegen der Verluste an Jungwölfen eher etwas langsamer.
  • Dagegen kann man solange nichts wirklich Wirksames tun, als die Europäische Schutzgesetzgebung einerseits und das deutsche Wolfsschutzrecht andererseits nicht drastisch novelliert werden. Darum bemüht sich aber z. Zt. niemand, und der LJV Bbg am wenigsten – was kein Vorwurf ist, denn der kann da nichts bewirken! Was also macht da so viel Arbeit?
  • Höchst unbefriedigend gering und bürokratisch ist die Entschädigung von betroffenen Nutztierhaltern, aber das ist Sache des Landesgesetzgebers und nicht des LJV; der kann höchstens mal auf den Putz hauen – macht nicht viel Arbeit und bewirkt im Zweifel auch nix. Und ob er´s tut ist nicht bekannt.
  • Wolfsmanagementpläne verdienen den Namen nicht und sind höchst unzulänglich. Sie gehören auch nicht in die Zuständigkeit des LJV.

Tatsächlich sind wir Jäger gut beraten, uns aus der Wolfsnummer tunlichst rauszuhalten – wer diese schönen interessanten und in unserer Kulturlandschaft etwas unnötigen (um auch das mal nett zu sagen) Tiere gerufen hat, soll doch erst mal mit dem Problem allein fertig werden, oder?

  1. Wir kennen die „neue DVO“, die dem LJV offensichtlich viel Arbeit macht, noch nicht – wär ja schön, wenn wenigstens wir Jagdrechtler oder besser noch, wenn das Verbandsvolk mal im Vorfeld davon was hören würde. Auch dafür ist der Vorstand unseres LJV da! Oder?

Ein, mit Verlaub, Armutszeugnis aber ist, den „wahrscheinlich vergeblichen (?)“ „Wunsch“ nach „Planungsinstrumenten für Rehwild“ – was immer das sein mag – zu hegen.

Dem LJV Bbg scheint nämlich die Rechtslage nicht klar zu sein!

  • 21 BJagdG (Auszug): „Schalenwild … dürfen nur auf Grund und im Rahmen eines Abschussplanes erlegt werden, der von der zuständigen Behörde im Einvernehmen mit dem Jagdbeirat (§ 37) zu bestätigen oder festzusetzen ist. Das Nähere bestimmt die Landesgesetzgebung. Der Abschussplan für Schalenwild muss erfüllt werden.“
  • Das ist ein Verbot mit Erlaubnisvorbehalt. Die Länder können die näheren Umstände regeln, aber sie können selbstverständlich das Verbot eines Bundesgesetzes nicht einfach ausser Kraft setzen, indem sie – § 29 LJagdG –schlicht ihre Pflichten nach dem übergeordneten Ermächtigungs-Rahmengesetz „unter den Tisch fallen“ lassen!
  • Rechtslage in BBg deshalb: Der Abschuss von Rehwild ist bundesgesetzlich schlicht verboten!
  • Da ist es völlig wurscht, dass verantwortliche Jäger selbstverständlich auch verantwortungsvoll mit ihrem Rehwild umgehen würden, weil sie mit dem nämlich garnicht umgehen dürfen.

Aber Sie, Herr Präsident Wellershoff, meinen ja, man müsse die Rehwildbewirtschaftung freundlicherweise der „wachsenden Wolfspopulation“ überlassen – weswegen Sie „juristisch“ (wie denn sonst) nichts zu tun beabsichtigen.

Freundliche Frage: Wozu ist der Verband dann da?

Dass Sie zur „nichtführenden Bache“ bei „streifenfreien Frischlingen“ nichts mehr sagen, passt dann ganz gut ins Bild.

Fazit:

Ich bin, liebe Jagdfreunde, einigermassen entsetzt. Dass Jagdrecht, Jagdethik und Weidgerechtigkeit zunehmend an Wert und Bedeutung verlieren, tut jedem aufrechten Weidmann (jeder Weidfrau – immer schön politisch korrekt) schon weh.

Dass aber ein LJagdV da munter vorweg marschiert, hätten wir bislang nicht für möglich gehalten.

 

Aber wie lautet das schöne englische Sprichwort: „Things always look darkest — before they go completely black“!

Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

1 Kommentar zu „LJV Brandenburg – der neue Stil, mit Mitgliedern umzugehen?“

  1. Ronald Braun sagt:

    Wolfgang erwartest du auf diesen Brief wirklich eine Antwort?

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