Steuersenkungen oder Reichensteuer – letztlich alles Unsinn ?

Politiker, Journalisten und andere Schlaumeier behaupten immer wieder, dass nur die Reichen von Steuersenkungen profitieren, die Masse der Bürger geht leer aus; deshalb freuen sich alle, wenn´s mal die Reichen erwischt, zum Beispiel bei Steuerdaten aus der Schweiz oder dann, wenn man die mit einer zusätzlichen Reichensteuer zur Kasse bittet – in diesem Fall zahlen die Reichen einfach im nachfolgenden Beispiel prozentual mehr und die anderen prozentual weniger. Am Ende, nämlich wenn den Reichen das mal zuviel wird, geht es bei der Reichensteuer genauso aus wie bei Steuersenkungen.

Was ist also an dem populistischen Geschimpfe wirklich dran? Erklären wir das mal an einem Steuersenkungs-Beispiel, das jeder versteht:

10 Leute gehen jeden Tag zum Essen (will sagen, profitieren jeden Tag von den Leistungen des Staates, die der mit Steuern finanziert), und die Rechnung macht für alle zusammen 100,00 EURO. Wenn die jetzt so bezahlen, wie wir besteuert werden, nämlich unterschiedlich je nach ihrem Einkommen, dann kann das ungefähr – mit oder ohne Reichensteuer – so aussehen:

Die ersten Vier, die Ärmsten, zahlen garnichts.

Der Fünfte zahlt 1,00 EURO,

der Sechste zahlt 3,00 EURO,

der Siebente zahlt 7,00 EURO,

der Achte dann 12,00 EURO,

der Neunte 18,00 EURO, und

der Zehnte, der Reiche, zahlt 59,00 EURO.

So beschliessen sie das. Alle sind eigentlich ganz zufrieden. Da kommt der Wirt – der Staat – und sagt: „Da Ihr alle so gute Kunden seid, senke ich den Preis für Euer Essen um 20 Prozent. Von jetzt an kostet es nur noch 80,00 EURO“.  Prima, sagen die alle. Und da sie weiterhin ihr Essen so bezahlen wollen, wie wir unsere Steuern bezahlen, regeln sie das jetzt mal neu wie folgt:

Die ersten vier betrifft das alles nicht, denn wie vorher zahlen sie auch jetzt nichts.

Aber was ist mit den anderen sechs? Wie kann man die 20,00 EURO Preisvorteil (Steuersenkung, „Windfall-Profit“) so teilen, dass das gerecht bei allen berücksichtigt wird? Denn 20 geteilt durch sechs ergibt 3,33, und wenn man die bei jedem gleichermassen abzieht, dann kriegen der Fünfte und der Sechste noch was raus. Geht nicht!

Also schlägt der Wirt (der Staat!) vor, dass man einfach die Zahlung jedes einzelnen von ihnen um etwa prozentual denselben Betrag kürzt. Dann kommt das raus:

Der Fünfte, wie die ersten vier, zahlt nichts                          (100% gespart!),

der Sechste zahlt jetzt 2,00 EURO anstatt 3,00 EURO        (33% gespart!),

der Siebente zahlt 5,00 EURO anstatt 7,00 EURO               (28% gespart!),

der Achte zahlt 9,00 EURO anstatt 12,00 EURO                  (25% gespart!),

der Neunte zahlt 14,00 EURO anstatt 18,00 EURO             (22% gespart!), und

der Zehnte zahlt 49,00 EURO anstatt 59,00 EURO              (nur 16% gespart!).

Alle zahlen also jetzt weniger für Steuern, pardon, für ihr Essen, als zuvor. Allen geht es besser. Die ersten Vier essen weiterhin umsonst. Der Reiche trägt den grössten Teil der Last. Aber nach kurzer Zeit fangen die ersten neun Esser – Bürger –  an, aufgestachelt von den oben erwähnten Politikern oder Journalisten oder sonstigen Schlaumicheln, ihre Vorteile des niedrigeren Preises miteinander zu vergleichen.

Da geht´s dann los:

Ich“, sagt der Sechste, „spare lediglich einen Euro, und der“ – er zeigt auf den Zehnten – „spart 10,00 EURO.“

Stimmt genau“, sagt der Fünfte, „ich spare auch nur einen Euro, aber der spart zehnmal so viel wie ich. Das ist unfair“.

Wie wahr wie wahr“, kräht der Siebente, „warum kriegt der 10,00 EURO zurück und ich nur zwei? Die Reichen kriegen letztlich immer mehr als wir anderen, egal was die zahlen müssen !“.

Moment mal“, schreien da die ersten Vier, „wir kriegen garnichts! Die Reichen beuten wieder die Armen aus!“.

Also gehen sie alle auf den Zehnten los und verhauen ihn.

Am nächsten Tag gehen sie wieder zum Essen, aber der Zehnte erscheint nicht mehr. Bleibt einfach weg – hat sich nämlich in die Schweiz verzogen und lebt nun am Genfer See oder sonstwo. Also setzen sich die anderen neun hin und essen ohne ihn. Aber als es dann ans Zahlen geht, entdecken sie etwas Wichtiges: Sie haben alle nicht genug Geld, um auch nur die Hälfte der Zeche zu bezahlen!

 Und das, Buben und Mädels, Freunde und Freundinnen, Damen und Herren Journalisten SPD-Politiker und Professoren, zeigt uns genau, wie unser Steuersystem funktioniert! Wer die meisten Steuern zahlt und damit das Gemeinwesen am meisten finanziert  profitiert eben auch am meisten von Steuererleichterungen, und womit? Mit Recht! Nimmt man denen zuviel ab, dann gehen sie vielleicht anderswo essen, in einer globalisierten Welt zum Beispiel in einem freundlicheren Ausland.

 Politik mit Intelligenz und Augenmass ist allemal besser als populistisch wirksam „auf´s Blech zu hauen“, oder?

Dr. Wolfgang Lipps

– Rechtsanwalt –

Geschäftsführer JUN.i Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz UG

(nach David R. Kamerschen, Ph. D., Wirtschaftsprofessor an der Universität von Georgia)

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