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Nov 2013 21

CO2-Emissionen – ist die Kuh schuld?


Kuhherde                             Oder: ein Hoch auf die bäuerliche Weidekuh!

WarschauViel Lärm um Nichts

In Warschau verhandeln zur Zeit bis zum 22. November 2013 mehr als 9000 Delegierte aus 200 Ländern über ein globales Klimaschutzabkommen, das vor allem dazu dienen soll – und dringend muß – das Kyoto-Protokoll, nach dem alle Staaten der Erde ihren Kohlendioxidausstoß verringern sollen, durch ein wirksameres Abkommen zu ersetzen. Bislang aber sind die Diskussionen um die Reduzierung des CO2-Aufkommens gescheitert und alle Teilnehmer gehen davon aus, dass die Konferenz ausgeht wie das Hornberger Schießen. Dieser schöne Ausdruck bezeichnet bekanntlich ein Ereignis, um das zunächst ein großes Getöse gemacht wird, das dann aber nichts bringt und ergebnislos endet.

Peinliches Versagen

Das ist nicht nur peinlich, sondern katastrophal. Denn es gibt inzwischen niemanden mehr, der leugnet, dass steigender CO2-Ausstoß eine extrem klimafeindliche und höchst besorgniserregende Entwicklung auf unserer Erde darstellt. Zwar ist dieses Treibhausgas ein wesentlicher Bestandteil des Lebens und der Luft, der Fauna und Flora auf der Welt (und extraterrestrisch) und trotz immer wieder schwankender Menge völlig normal. Es wird in einer Unzahl von Produkten und für eine Vielzahl von Prozessen verwendet.

In höherer Konzentration aber, die wir Menschen weltweit nach Kräften und immer schneller herbeiführen, wird es allerdings lebensfeindlich, und der sog. Treibhauseffekt zunehmender CO2-Emissionen führt zu einer künstlichen globalen Erwärmung, deren bedrohliche Folgen sich kaum in ihrer ganzen wachsenden Tragweite darstellen und begreifen lassen. Deshalb muß es das Bestreben aller zivilisierten Staaten sein, diese Auswirkungen des menschlichen Wirkens auf unseren Planeten vernünftig in den Griff zu bekommen.

Andere Bösewichter

Was dabei gern vergessen wird und aus dem Focus gerät, ist die Tatsache, dass es neben der Industrie (vor allem z. B. Zementherstellung, Kohlekraftwerken u.a.m.) andere, mindestens genau so negative Entwicklungen des Wirkens von Menschen auf Natur und Umwelt gibt. Dazu gehört in erster Linie Methan, ebenfalls ein Treibhausgas mit einer 20 bis 30 mal stärkeren Wirkung als CO2, wobei es allerdings in der Atmosphäre in geringerer Menge vorkommt als dieses. Das Treibhauspotential eines Kg Methan ist ca. 25 mal höher als das von einem Kg CO2.

Und nun: die Kuh!

Damit sind wir endlich bei – zum Beispiel – unserem Wiener Schnitzel und all den anderen Vorzügen unserer beliebtesten Haustierrasse, der Kuh (genauer: dem Rind). Das soll nun, wenn man den wesentlichen Umweltverschmutzern und Umweltzerstörern aus Industrie und Verkehr usw. glauben darf, der richtige Bösewicht sein.

Furzt unsere Umwelt kaputt!

Leider, Freunde, ist da was dran. In Warschau wird darüber allerdings so gut wie nicht geredet.

Die Landwirtschaft produziert weltweit rund 18% der Treibhausgase, mit der Tierhaltung zusammen erzeugt sie von der gesamten menschengemachten Produktion ca 9% CO2, 35% Methan und ca. 65% Stickoxyde. Dabei sind natürlich auch die Hühner (389 Mio Tonnen CO2-Äuivalente), Schweine (668 Mio t), aber eben auch Kühe. In Deutschland verströmen sie in der Fleischproduktion 486, in der Milchproduktion 1131 und mit der Fleischrindermast 2338 t CO2-Äquivalente. Darunter jede Menge Methan.

Aber:

Die Hochleistungskuh, zusammen mit intensiver Stallhaltung, tut sich da als Klimakiller hervor. Allerdings hat sie für sich gesehen eine gute Klimabilanz, weil sie eben z. B. bei viel Methan (was man halbieren kann) viel mehr Milch liefert. Jedoch hat die auf der Weide vor sich hinmümmelnde Standardkuh, die zwar statt 10.000 l Milch im Jahr nur ca. 5000 bis 6000 l gibt, aber dabei statt 400 g Methan am Tag nur 80 g in die Luft furzt, eine noch bessere Klimabilanz. Außerdem setzt die Herstellung des Kraftfutters für die Hochleistungskuh Kohlendioxide, Stickoxide und Ammoniak frei, und es wird massig Wasser und Öl verbraucht. Zudem lebt so eine Hochleistungskuh nur ca. 5 Jahre, sodass nach 2 bis 3 Jahren für sie ein junges Rind herangezüchtet wird, das aber erst mit 28 Monaten ein Kalb kriegt.

Fazit: Nicht die kurzlebige Hochleistungskuh, sondern die lang lebende Weidekuh ist der Favorit unter den Rindviechern – davon, dass die gesünder alt wird, ganz zu schweigen.  Weidekühe leben gesünder, sind auch bessere Mütter und sparen Futterkosten. Außerdem betreiben sie notwendige Landschaftspflege. Und letztlich verhindern sie in gewissem Maße die Zunahme von Ackerland, die nämlich selbst wieder klimaschädlich ist – von „Landgrabbing“ reden wir erst garnicht.

Und was lehrt uns das?

Wir brauchen weniger Hochleistungsrinder und daneben dann auch weniger Weiderinder als bisher, aber mit mehr eigenem Futter auf der Weide und in der Landwirtschaft. Oder auf den Punkt gebracht: ein Vieh haltender Betrieb sollte nur soviel Tiere halten, wie er mit hofeigenen oder hofnahen Futtermitteln ernähren kann. Das täte nicht nur dem Klima gut, sondern würde die Milchpreise und die Preise der Milchprodukte und des Rindfleischs stabilisieren, damit den Bauern helfen und unsere Welt verbessern.

Vielleicht könnten sie in Warschau ja doch mal darüber reden.

Ihr:

Plüschkuh

Dr. Wolfgang Lipps

– Geschäftsführer –

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Dez 2010 13

Biosprit – Fluch oder Segen ?


>sierksdorf-kornfeldOder einfach unüberlegt und verfrüht? 

Ab Januar 2011 kommt der Biosprit E10 auf den Markt, der im Gegensatz zu den bisher schon zulässigen 5% nunmehr mit bis zu 10% Bioethanol versetzt sein darf. Mit diesem aus Pflanzen gewonnenen Treibstoff soll der CO2-Ausstoss verringert und könnten die Erdölreserven geschont werden, meinen z.B. Minister Röttgen und der ADAC-Präsident Peter Meyer.

 Die im Titel gestellte Frage kann aber heute noch garnicht beantwortet werden, und deshalb ist diese Initiative nach unserem Dafürhalten zumindest, um es mal nett auszudrücken, verfrüht – wohl eine unüberlegte (oder absichtliche?) Umwelt-PR der arg gebeutelten schwarz-gelben Koalition, die dem tumben Volk mal „action“ zeigen will. 

Dabei fällt zunächst weniger in´s Gewicht, dass gar nicht alle Autos das Zeug vertragen. AbgaseWichtiger ist dagegen, dass die Gewinnung von Bioethanol aus Pflanzen weltweit auf arge Bedenken stösst. Aber auch die sind zum Teil weder sauber belegt noch frei von dem Verdacht, irgendwelche Partikularinteressen zu fördern; gewichtig aber sind sie allemal.

Wortführer der Bedenkenträger scheint das Londoner Institut für Europäische Umweltpolitik (Institute for European Environmental Policy – IEEP) zu sein. Es hat die Pläne von 23 EU-Mitgliedstaaten bis 2020 daraufhin untersucht, welche möglichen Folgen die für die Erzeugung von Biosprit erforderliche indirekte Nutzungsänderung landwirtschaftlicher Anbauflächen (ILUC – Indirect Land Use Change) haben kann, weil sich die Mitgliedsstaaten verpflichtet haben, bis 2020 ca. 10% ihres Treibstoffs für den Transportsektor aus nachwachsenden Rohstoffen zu gewinnen. Nach der Studie führt die EU-Politik dazu, dass die durch Biosprit-Bedürfnisse erzeugte Transformation von Flächen und daneben dann Neuschaffung von Nutzflächen eine hohe CO2-Belastung zur Folge hat, die den niedrigeren Ausstoss am Auspuff relativiert oder sogar übersteigt.

 Nicht nur die Initiatoren der Studie, darunter Greenpeace und NABU, sondern zahlreiche andere Umweltorganisationen stimmen der Studie zu oder jedenfalls in den Chor der Kritiker ein.

 Da ist es dann nicht verwunderlich, dass natürlich zuvörderst die Hersteller von Biokraftstoffen widersprechen, allerdings auch sie mit guten Argumenten. Denn die Studie arbeitet mit einer Fülle von Hypothesen, von denen fast jede so plausibel oder weniger plausibel ist wie die nächste. Vor allem werden die Ergebnisse der Studie nicht völlig von den ihr zugrunde liegenden Teilerkenntnissen gedeckt. Die Meinungen der Wissenschaft gehen mal wieder fröhlich durcheinander und auseinander und aneinander vorbei und sind folglich höchst geteilt.

 Ein eindeutiges und klares Bild lässt sich noch nicht gewinnen.

 Interessant ist immerhin, dass vieles, das jetzt im Zusammenhang mit Biosprit E10 diskutiert wird, gar nicht so neu, sondern nur neu auf dem Markt der Kommunikation ist oder mit anderen Worten: langsam kommt´s raus!

 Denn schon 2007 hat eine internationale Gruppe von Wissenschaftlern festgestellt, dass Biosprit klimaschädlicher ist als Benzin, unter anderem deshalb – man muss auch mal etwas um die Ecke denken – weil beim Düngen der Energiepflanzen grosse Mengen des gefährlichen Lachgases (NO2) in die Atmosphäre gelangen; Lachgas hat eine 300-fach so grosse Treibhauswirkung wie dieselbe Menge an Kohlendioxid und schädigt ausserdem die Ozonschicht. (Anmerkung am Rande: das macht auch nachdenklich bei der Förderung von Raps und Mais für die Biogasgewinnung!). Interne Studien der EU (und anderer Wissenschaftler) haben bereits 2009 festgestellt, dass das 10%-Ziel für Biodiesel jedenfalls mehr schadet als nützt. Erst auf den Druck der Öffentlichkeit hin hat die Kommission diese als geheim eingestuften Studien jetzt publik gemacht.

 Ob es wirklich eine Illusion ist, zu glauben, eine Energieversorgung Deutschlands zu 100% mit klimaneutraler Energie aus nachwachsenden Rohstoffen sei möglich, kann gegenwärtig dahingestellt bleiben, obwohl mehr dafür als dagegen spricht.brett

 Eines allerdings meinen wir, das Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz, sehr wohl:

 Es ist unverantwortlich, mit einer Biospritpolitik „per ordre de Mufti“ loszulegen, solange die massiven und plausiblen Bedenken nicht ausgeräumt sind, ja solange nicht einmal vernünftige und mehrheitlich akzeptable Erkenntnisquellen der Politik zugrundegelegt werden können, und solange die Bevölkerung nicht objektiv unterrichtet werden kann.

 Aber wem es gänzlich schnuppe ist, wie das Volk über Atommülltransporte, atomare Endlagerstätten, Flugrouten oder Kopfbahnhöfe denkt, der wird natürlich auch in der Energiepolitik rücksichtslos weiterwursteln. Die Entscheider können ja immer noch in den Schwarzwald, die Schorfheide oder nach Mallorca ziehen, wo die Luft – hoffentlich – noch  ´ne Weile sauberer ist!

 Dr. Wolfgang Lipps

Geschäftsführer JUN.i Institut für Jagd Umwelt und Naturschutz

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