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Nov 2014 03

Terrier Bodo – Tod mit der Mistgabel


Terrier mit MistgabelDer Fall ging durch die Presse und provozierte, wie immer, die unterschiedlichsten Reaktionen – nahezu alle ohne Kenntnis der näheren Umstände.

Was war geschehen?

Anlässlich einer Saujagd war der mit einem orangefarbenen Halsband als Jagdhund gekennzeichnete Terrier von einem Schäfer mit der Mistgabel erstochen worden, weil er angeblich – Zeugen gibt es außer dem Schäfer erkennbar nicht – dessen Schafe angegriffen habe. Der Schäfer hat den Hund mit den Zinken der Mistgabel durchbohrt und das schwerverletzte Tier liegen gelassen, bis es der Besitzer fand. Der Hund ist später seinen Verletzungen erlegen; die sind mit Fotos belegt.

Die Meinungen

reichen nun in der Presse und in Internet-Foren von „Tierquäler ersticht Hund“ über „Tierschützer ersticht Djt…“ bis zu „Jagdgegner hat Hund erstochen“ usw. Wie sich allerdings der Täter geäußert hat, und was über den Tathergang gesichert ist, lässt sich nicht feststellen – ein ganz schlauer Forenteilnehmer, ein „Avatar von Birgitt“ (wer immer das sein soll) weiß dazu, „Jagdterrier sind im Blutrausch, wenn sie losgelassen“. Wie man sieht: kenntnisfreie Vermutungen auf der ganzen Linie. Besonders daneben liegt da etwa eine Frau Neuendorf, die es in der MOZ (Märkische Oderzeitung) online am 26.10.2014 für eine „dreiste Doppelmoral“ von Jägern hält, dass gerade die den Schafbesitzer tadeln. Sie begründet das mit der mehr als törichten Unterstellung: „wer seinen Hund zu einem unkontrollierbaren Angreifer macht, darf sich nicht wundern, wenn der Angegriffene auch zu scharfen Waffen greift“. Als höflicher Mensch hält man sich mit einer Kommentierung da mal zurück!

Was gilt denn nun?

Also erst einmal: Das Verhalten des Schäfers ist schon moralisch gänzlich inakzeptabel. Darüber sind sich alle Disputanten (bis vielleicht auf Frau Neuendorf, aber die nehmen wir nicht recht ernst) einig. So hätte er sich nicht einmal wehren dürfen, wenn der Terrier ihn selbst angegriffen hätte, denn zum einen hat er ganz genau sehen können, dass er es hier mit einem Jagdterrier zu tun hatte, und zum anderen hat die Mistgabel bekanntlich auch ein stumpfes Stielende, mit dem man sich, oder einem Schaf, einen Terrier ganz schön vom Leibe halten kann. Ausserdem ist es für einen kleinen wenn auch scharfen Hund nicht so leicht, ein Schaf zu reißen, und zudem gibt es bekanntlich Schadensersatz, wenn ein Schaf verletzt wird. Der Mann hat sich gehen lassen und in einer Weise verhalten, die ihn als unbeherrschten Rohling erscheinen lässt. Das gilt erst recht, wenn man bedenkt, dass er das Tier mit der Mistgabel im Leib hat liegen und leiden lassen!

Allerdings wird allgemein die Ansicht vertreten, dem Mann sei – leider – rechtlich nicht beizukommen.

Das sehen wir anders!

Nach § 17 TierSchG ist es eine Straftat, ein Wirbeltier vorsätzlich ohne „vernünftigen“ Grund zu töten. Wer eine Mistgabel, deren drei Zinken länger sind als ein kleiner Terrier breit ist, mitten in diesen Hund rammt, will den natürlich töten und handelt damit vorsätzlich – vielleicht nur mit sog. bedingtem Vorsatz (nimmt den Tod billigend in Kauf), aber auch das ist der Vorsatz des § 17. Der Angriff auf ein Schaf (den wir bei einer strafrechtlichen Beschuldigung mal zugunsten des Täters unterstellen müssen) rechtfertigt natürlich eine Abwehr, auch eine grobe; aber da es vom Stiefeltritt über Steinwürfe bis zum Stielende genügend Möglichkeiten gibt, einen kleinen Hund abzuwehren, war der Einsatz der Mistgabel in diesem Falle völlig unangemessen und eine Tötung des Hundes sicherlich nicht nötig. Damit ist der Angriff des Hundes auf ein Schaf kein „vernünftiger“ Grund für die Tötung des Hundes, allenfalls für ein hartes Vorgehen.

Nach der Rechtsprechung zum TierSchG muss man also immer mit einer Güter- und Pflichtenabwägung prüfen, ob die Handlung in dem jeweiligen Lebenszusammenhang noch gerechtfertigt ist (so z. B. OLG Köln Ss 414/97-170 http://openjur.de/u/444543.html). Einem Schäfer, der mit Tieren umgeht, ist das zuzumuten.

Wir halten das Vorgehen des Schäfers mithin für strafbar!

Ihr Dr. Wolfgang Lipps

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Mai 2012 08

Feindbild Jäger – Zukunft der Jagd ?


Wenn unsere Großeltern oder unsere Eltern immer mal wieder behaupteten, früher sei „alles besser gewesen“, haben wir sie belächelt; wenn wir das heute zu unseren Kindern und Enkeln sagen – und das kommt öfter vor, als man denkt – dann lächeln die. Die Erinnerung verklärt eben manches.

Gelegentlich aber auch nicht. So waren jedenfalls Jäger und Jagd in den vergangenen, sagen wir mal, 150 Jahren eigentlich immer angesehen, besonders im ländlichen Raum, und bei weitem nicht so angefeindet, wie das in den letzten Jahren zunehmend deutlich geworden ist.

Jagd im Wandel

Wie ich an dieser Stelle schon am 14. März geschrieben habe, hat die Zeitschrift Halali in der Ausgabe Februar-April die Frage erörtert, wie wir in Zukunft jagen werden. Der gegenwärtige Zustand unserer traditionellen Jagd ist rasch, wenn auch unvollständig, mit vier Bemerkungen beschrieben:

–                  Die einigermaßen überhastete und demgemäss weitgehend konzeptionslose Energiewende verändert unsere Landschaft und damit unseren, der Jäger, ökologischen Wirkungsraum in drastischer Weise;

–                  die moderne Forstwirtschaft will auf ihren schwindenden und durch wandelnde Natureinflüsse zunehmend bedrohten Forstflächen Wildschäden immer weniger tolerieren und tendiert deshalb immer stärker zum wildfreien Wald;

–                  die gesellschaftliche und damit politische Akzeptanz der Jagd in einer globalisierten und tradierter Kultur zunehmend fremder werdenden multikulturellen Welt nimmt rapide ab und

–                  gleichzeitig erobert der moderne oftmals zunächst naturfremde Mensch für verwaltete Freizeit, Sportbetätigung und Erholung immer mehr natürliche Lebensräume unter Verdrängung der dortigen Lebensformen.

Deshalb verstehen wir Jäger durchaus, dass unsere Jagd zunehmend kritisch hinterfragt wird, und wir verstehen auch, dass man sich Gedanken darüber machen kann, ja muss, ob und inwieweit unsere Jagd noch rundum zeitgemäss ist oder wo sie Veränderungen oder sogar drastische Reformen erfahren muss. Zu einem fairen, fundierten und vernünftigen Diskurs darüber sind wir ebenso bereit wie dazu, als notwendig erkannte Massnahmen selbstverständlich zu akzeptieren und aktiv mit zu gestalten.

Feindbild Jäger

Was wir allerdings weder verstehen noch tolerieren oder gar akzeptieren können, ist die Tatsache, dass Jagd und Jäger zunehmend in einer Weise angegriffen werden, die den Boden sachlicher Argumentation entweder verlassen hat oder sich, bestenfalls, hinter pseudowissenschaftlichen oder pseudo-ideologischen Argumenten versteckt.

Daran, dass dabei eine gewisse „Totschlagdiskussion“ von den Rändern gesellschaftlicher Gruppierungen – sog. Tierschützer, Naturschützer, Umweltaktivisten usw. – geführt wird, haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Das Internet macht´s möglich, und so werden wir dann von allerlei Selbstdarstellern in Formaten wie „Anti-Jagd-Blogs“ und anderen Verlautbarungen polemisch mies und in der Sache einseitig und überspitzt angegriffen; wie bei den Anti-Jagd-Demos muss man heutzutage damit leben.

Dass sog. „ökologische“ Jäger zum Teil in dasselbe Horn stoßen, macht schon nachdenklicher. Dass grundsätzlich begrüssenswerte Vereinigungen wie BUND und NABU sich derartiger publikumswirksamer Polemik nicht nur nicht verschliessen, sondern aktiv mitmachen, ist schade und zerstört Gemeinsamkeiten, die effektiver für Natur und Wild wirken könnten als populistisches Gehabe.

Neue Gegner

Was allerdings jetzt den geballten Widerstand der Jäger hervorrufen muss, ist die Tatsache, dass sich zunehmend Landesgesetzgeber und sogar Behörden, denen auch die Hege des heimischen Wildes obliegen sollte, als Jagdgegner outen.

–                  Das geplante saarländische Jagdgesetz wurde bislang glücklicherweise verhindert. Aber ob das von Dauer sein wird, ist fraglich.

–                  In Hessen wird über ein neues Jagdgesetz nachgedacht, und was man darüber liest, macht keine Freude. Das Jagdgesetz in Berlin ist auch weniger applausverdächtig.

–                  In NRW steht ein Jagdgesetz vor der Tür, das erkennbar so jagdfeindlich ist, dass es in Zukunft keine Pachten dort mehr geben wird, dass Jäger und Landnutzer gleichermassen zu leiden haben werden, und dass insbesondere das Wild dabei im wahrsten Sinn des Wortes „auf der Strecke bleibt“.

Und jetzt: Brandenburg

Brandenburg hat eines der besten deutschen Landesjagdgesetze, nicht zuletzt, weil es als einziges festschreibt, dass die Hege des heimischen Wildes eine “gesamtgesellschaftliche Aufgabe” ist. Und bislang galt, jedenfalls als Lippenbekenntnis wenn auch schon in der Praxis reichlich aufgeweicht, der sog. „Brandenburger Weg“ der Einheit von Wald und Wild. Am 25. Februar habe ich allerdings hier im Blog kurz schildern müssen, was für eine törichte neue DVO zum Landesjagdgesetz uns in´s Haus steht. Glücklicherweise hat sich dazu jetzt auch unser Landesjagdverband am 31.03.2012 in einem offenen Brief höchst kritisch und lesenswert an den Ministerpräsidenten gewandt – der das allerdings in gewohnter Manier ignorieren wird.

Denn jetzt hat das MIL (Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft) diesen „Brandenburger Weg der Einheit von Biotop und Wildbewirtschaftung“ gekündigt. Es wird wieder die sattsam bekannte Keule der überhöhten Schalenwildbestände geschwungen, und dann kommt´s, wie wir in einem „Protokoll der gemeinsamen Dienstberatung des Landesforstbetriebes mit dem MIL zum Schwerpunkt Landeswaldbewirtschaftung“ am 15.02.2012 lesen können, knüppeldick. Die Haltung des Landesforstchefs Rüdiger Schubert hat den Chefredakteur Michael Cosack von „unsere Jagd“ sogar dazu inspiriert, ihn als den „Paten von Brandenburg“ zu titulieren.

Starker Toback, aber nicht zu unrecht.

Das Papier und anderes kann man auf der website von „unsere Jagd“ mit der Quickfinder-Nummer 508375 abrufen, und sollte das auch. Denn es ist entlarvend und nur wenig, wenn überhaupt, besser als alles, was in NRW so in der Kulisse lauert. Herr Schubert bemüht sich ausdrücklich, die „beabsichtigte Änderung der DVO Jagd“ voranzutreiben – der soll nämlich „eine wichtige Rolle (zukommen), die es anschliessend zu nutzen gilt“. Besonders entlarvend ist der Satz: „Mehrere Leiter (der Oberförstereien) machten deutlich…:Wildbestände werden spürbar sinken, eine „Wildbewirtschaftung“…(sei) dann nicht mehr möglich“.

Na toll, diese Nibelungentreue der Forstpartie! Und Windkraftanlagen im Wald finden sie auch alle prima, Fotovoltaikanlagen eher nicht. Man fasst sich an den Kopf!

Und dann liess Herr Schubert ein grauenvolles Poster verteilen, mit dem er deutlich macht, was wir in Zukunft zu erwarten haben.  Jeder Leser sollte sich diese Collage bei „unsere Jagd“ ansehen – oben rechts hängen erlegte Bastböcke, unten links die Kadaver, dazwischen einige mehr oder minder miese Waldstücke. Fehlt nur noch´n Windrad. So sieht unser oberster Forstmann unseren Wald, unser Wild, unsere schöne Natur!

Ich bin ja sehr für eine sachliche Diskussion, auch für eine sachliche Kontroverse. Aber hier meine ich nur noch: Auf die Barrikaden, Freunde!

Mit Weidmannsheil Ihr

Dr. Wolfgang Lipps

 

 

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