Zoo Eberswalde – eine Katastrophe bahnt sich an

<Gastbeitrag>

Der Zoo Eberswalde gehört zu den besten kleinen zoologischen Gärten in Deutschland und ist eine der wenigen Attraktionen der Stadt Eberswalde. Leider ist er jetzt Gegenstand, oder vielmehr Spielball, einer Posse mit ernstem Hintergrund – possenhaft ist das Verhalten der Verantwortlichen, allen voran Zoodirektor Dr. Hensch und Bauamtsleiter Bessel, die gerade versuchen, ihr Versagen im Amt dadurch zu bemänteln, dass sie die Stadtverordneten, die Ausschüsse und die Öffentlichkeit belügen. Und der ernste Hintergrund ist der, dass höchstwahrscheinlich Tiere sterben werden und der ganze Zoo untergehen könnte.

Dummheit kann tödlich sein !

Was ist passiert?

Vor 15 Jahren erhielt der Zoo eine hochmoderne preisgekrönte und auf 40 Jahre mindestens ausgelegte komplexe Heizungsanlage, die von unserem Versorgungsunternehmen erstellt und dem Zoo mit einem Wärmelieferungsvertrag zur Verfügung gestellt wurde. Aus irgendwelchen nicht nachvollziehbaren Gründen möchte Eberswalde und sein Zoo diese Anlage modernisieren und künftig selbst betreiben. Deshalb haben sie den Vertrag mit dem Versorgungsunternehmen zum 01. Oktober 2012 gekündigt.

Das durften sie und dagegen ist nichts einzuwenden. Ab 02. Oktober also schaltet das Versorgungsunternehmen seine Anlage ab und hat dann nach der Gesetzeslage 5 Jahre Zeit, seine Anlage abzubauen. Stadt und Zoo dürfen die nicht mehr benutzen. Einen Rechtsstreit wird es, entgegen der törichten Meinung des Herrn Bessel, natürlich nicht geben – warum auch, denn das Versorgungsunternehmen ist im Recht und schaltet Heizung und Strom am 01.10.2012 ab; die Folgen trägt allein der Zoo!

Immer schlecht: erst handeln, dann nachdenken.

Jetzt erst wird den Verantwortlichen nämlich offensichtlich so richtig klar, was für einen Mist sie gebaut haben. Denn sie sind bei ihren Plänen erkennbar davon ausgegangen, dass das Versorgungsunternehmen ihnen das gesamte ca. 2000 m lange erstklassige unterirdisch verlegte und in die Gehege und unter den Teich im Urwaldhaus geführte Nahwärmenetz samt allen Heizkörpern und sonstigen Teilen schenken oder jedenfalls für „peanuts“ überlassen würde. Denn dass die gesamte Anlage dem Versorgungsunternehmen gehört, wussten sie oder hätten es jedenfalls wissen müssen.

Das Versorgungsunternehmen hat auch nichts dagegen, ihnen die Anlage – nee, nicht zu schenken – aber zu verkaufen. Zu einem Vorzugspreis, versteht sich. Angesichts der Tatsache, dass ein neues Netz mit allen Erdarbeiten, Baufreiheit, Tierumsiedelungen, neuen Heizkörpern usw. nicht unter mindestens 1,1 Mio € zu haben ist – von Neben- und Zusatzkosten und Folgeschäden mal abgesehen – und angesichts der Tatsache, dass das bestehende erstklassige Netz problemlos arbeitet und für mehr als 25 Jahre gut ist, ruft das Versorgungsunternehmen den angemessenen Preis von € 650.000 auf.

Dumm gelaufen bisher.

Die Verantwortlichen  reagieren mit Schockstarre und, wie man vermuten darf, kollektiver Schnapp-Atmung. Soviel Geld haben sie nicht. Können sie sich wohl auch nicht leihen. Fördermittel gibt´s für so was auch nicht. Zwar planen sie für den Zoo ohnehin Gewerbesteuermehreinnahmen, aber vor die haben die Götter bekanntlich den Schweiss, wenn nicht gar die Entrüstung der Gewerbetreibenden, gesetzt.

Was tun? Wenn den verantwortlichen Herren, zu denen man auch andere wie den Herrn Bürgermeister zählen kann, nicht rasch was einfällt, rollen nicht nur Köpfe, sondern der Zoo ist ernstlich gefährdet.

Lügen…

fällt einigen von ihnen offenkundig als erstes ein. Denn wenn sie ihren Kopf retten wollen, dürfen sie weder dem Zoobeirat noch den Abgeordneten noch dem Finanzausschuss noch dem Hauptausschuss sagen, dass sie unüberlegt und ohne Prüfung der Rechtslage und inkompetent drauflosgewurstelt haben und jetzt „in der Brennsuppe“ sitzen.

Also erfinden sie folgendes Szenario, nachzulesen in der Vorlage BV/775/2012 des Bürgermeisters an den Hauptausschuss Eberswalde vom 03.05.2012:

 –           Das Heizungssystem im Zoo arbeitet von Anfang an nicht richtig, die Versorgungssicherheit ist nicht gegeben, sodass bei niedrigen Temperaturen elektrisch zugeheizt werden muss, was unnötige hohe Stromkosten verursacht;

 –           der Wert der „alten Leitungen“ beträgt nur € 50.000, der Versorger wolle aber für die gesamte Anlage einschliesslich der „veralteten“ BHKW € 650.000 haben und habe die Verhandlungstür mit anwaltlichem Schreiben zugeschlagen.

 –           Deshalb müsse ein eigenes Nahwärmesystem errichtet werden. Das werde insgesamt, mit allen Erdarbeiten und Bauten usw., € 675.000 kosten. Dafür könnte man dann noch ca. € 193.000 Fördermittel kriegen.

 –           Das Ganze könne bis 02. Oktober gebaut, in Betrieb genommen und operativ sein.

 …haben allerdings kurze Beine !

Nichts von alledem stimmt, und das wissen die Herren ganz genau, denn wenn sie es nicht schon kraft ihrer Fachkompetenz wüssten – woran man jetzt füglich zweifeln kann – dann hat der Versorger es ihnen jedenfalls schon vor Monaten haarklein dargelegt. Zu den vier oben wiedergegebenen Behauptungen – die Unwahrheiten sind noch erheblich zahlreicher – ist vielmehr Folgendes nachweisbar richtig:

 –           Das Heizungssystem arbeitet seit Anbeginn einwandfrei, wie die Mitarbeiter des Zoo selbst, im Gegensatz zu ihrem Vorgesetzten Hensch, dem Landrat des Landkreises Barnim, SG Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt vor kurzem bestätigt haben und wie die Wartungsdokumentation zweifelsfrei beweist. Die elektrische Zuheizung ist so geplant und deckt Spitzenbedarf kostengünstig ab. Die BHKW sind zwar nicht mehr neu, aber sie sind vor allem von einem Heizungsmonteur der Stadt unerlaubter Weise beschädigt worden – bis dahin haben sie einwandfrei gearbeitet. Verhandlungen haben garnicht stattgefunden, wiewohl der Versorger sie bis heute anbietet.

 –           Schon die Planung des Zoo hat mit dem vorhandenen Leitungsnetz fest gerechnet – wollte das aber wohl sozusagen „geschenkt“ haben. Den Wert der „alten“ Leitungen mit mindestens € 650.000 haben unabhängige Fachunternehmen bestätigt.

 –           Ein neues System ist für den lächerlichen und nicht nachvollziehbaren Betrag von € 775.000 nicht zu kriegen, der reicht nicht mal für ein Nahwärmenetz, geschweige denn den Rest. Und die erhofften Fördermittel könnte es in der Höhe nur geben, wenn die Vergabestellen grob getäuscht werden. Das allerdings könnte beabsichtigt sein – schon der Hauptausschuss ist über die wahren Kosten bewusst irregeführt worden (widersprüchliche „geschönte“ Zahlen in der Beschlussvorlage!).

 –           Und vor allem ist diese Investition auch für das doppelte Geld mit allen notwendigen Planungen, europaweiten Ausschreibungen, Genehmigungen und Vergabeverfahren (gegen deren Vorschriften bereits verstossen wurde) schlechterdings vor dem Sommer 2013, wenn überhaupt so kurzfristig, nicht zu erstellen. Dann kann man es allerdings auch lassen, denn die meisten Tiere sind dann tot oder verkauft und die Verantwortlichen hoffentlich entlassen!

 Man kann bekanntlich wenige Menschen für immer oder alle für kurze Zeit für dumm verkaufen, aber nicht alle für immer!

Was also denken sich die Verantwortlichen bei dieser Posse? Spätestens am 03. Oktober, wenn die ersten Leguane oder was immer tot vom Ast fallen, die Aras nach der Heizung schreien und die Krokodile vor Kälte mit den Zähnen klappern, – spätestens dann kommt die Stunde der Wahrheit.

Dennoch will die Stadt mit dem Versorger nicht reden, obwohl der natürlich verhandlungsbereit ist und nach Kräften daran mitwirken wird, die Katastrophe zu verhindern.

gez.: Ulrich Haak

Sachverständiger für Haustechnik und Energieversorgung

ESC Energie Service Center GmbH & Co. KG Bereich Sachverständigenwesen

 

 

 

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